Politik May: Russland steckt hinter Giftattacke

«London.» Nach dem Anschlag mit Nervengift auf einen russischen Ex-Spion in England hat die britische Premierministerin Theresa May die Regierung in Moskau als mitverantwortlich bezeichnet.
Russland sei „sehr wahrscheinlich“ für die Vergiftung von Sergej Skripal und seiner Tochter Julia verantwortlich, sagte May gestern Abend in London. Entweder sei Russland für die Attacke verantwortlich oder habe zumindest zugelassen, dass das Gift weitergegeben worden sei. Das vom Militär genutzte Mittel sei in Russland entwickelt worden. Man könne im Umgang mit Russland nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte May weiter. Der russische Botschafter sei daher einbestellt worden und müsse Erklärungen liefern. Großbritannien sei bereit, drastischere Maßnahmen gegen Russland zu ergreifen. May stellte Russland ein Ultimatum für eine Erklärung zum Fall des Giftanschlags. Bis heute Abend müsse sich Moskau gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Russland wies die Äußerungen Mays als „lächerlich“ zurück. Es handle sich um eine politische Kampagne, um die Beziehungen zwischen Moskau und London zu diskreditieren, teilte das russische Außenministerium gestern nach Angaben der Agentur Interfax mit. „Das ist eine Zirkus-Nummer im britischen Parlament“, sagte die Sprecherin Maria Sacharowa. Der 66-jährige Sergej Skripal und seine 33-jährige Tochter waren vor rund einer Woche vor einem Einkaufszentrum in der englischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Auch ein Polizist, der vor Ort war, um zu helfen, wird immer noch als schwer erkrankt behandelt. Aus US-Geheimdienstkreisen hatte es zuletzt geheißen, die Hauptannahme der Ermittler sei, dass das Nervengift von russischer Seite eingesetzt worden sei, um Skripal für seinen Verrat als russisch-britischer Doppelagent zu bestrafen. Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll russische Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten haben. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und den USA war Skripal 2010 frei- und dann nach Großbritannien gekommen. Kommentar Seite 2