Politik Marokko: Schüsse auf Bootsflüchtlinge

Ein Marokkaner schaut aus Mittelmeer. Es sind nicht nur Schwarzafrikaner, die von der Überfahrt nach Spanien träumen.
Ein Marokkaner schaut aus Mittelmeer. Es sind nicht nur Schwarzafrikaner, die von der Überfahrt nach Spanien träumen.

Nach Libyen versucht nun auch Marokko, im europäischen Auftrag die Abfahrt von Flüchtlingsbooten in Richtung Südeuropa zu bremsen. Dabei wird auch scharf geschossen.

Der Kampf gegen Menschenschmuggler, die Migranten von Marokko übers Mittelmeer bevorzugt nach Spanien bringen, werde verstärkt, teilte die Regierung in Rabat vor kurzem mit. Europa hatte dem nordafrikanischen Land kurz zuvor neue Millionenhilfen versprochen. 30 Millionen Euro wurden für die Aufrüstung der marokkanischen Küstenwacht bereitgestellt. Zudem versprach Brüssel 115 Millionen Euro zusätzlich für Wirtschafts- und Sozialprogramme. Das härtere Vorgehen Marokkos bekam umgehend ein Migrantenschiff zu spüren, das dem Haltebefehl der marokkanischen Küstenwacht nicht nachkam: Es wurde mit scharfer Munition beschossen. Dabei wurde eine aus Marokko stammende Frau getötete, drei weitere Migranten wurden verletzt. Wie die marokkanischen Behörden weiter mitteilten, nahmen sie den Steuermann des Bootes, bei dem es sich um einen Spanier handeln soll, fest. Wollten Marokkos Sicherheitsbehörden mit diesem Vorgehen eine abschreckende Wirkung erzielen? König Mohammed VI., Staatschef und starker Mann im Land, steht seit Wochen unter Druck, weil sein Reich neuerdings zum wichtigsten nordafrikanischen Transitland Richtung Europa geworden ist. Immer mehr Menschen aus den Armutsländern südlich der Sahara nutzen Marokko als Sprungbrett, um nach Spanien zu gelangen. Aber es nimmt auch die Anzahl der Marokkaner zu, die ihrem Land den Rücken kehren. Seit Tagen zirkulieren Videos in den sozialen Netzen, auf denen zu sehen ist, wie junge Marokkaner an der heimischen Küste Boote besteigen. Ihre Heimat verlassen wollen sie wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit, wegen geringer Löhne und mangelnder Freiheiten.

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