Politik Mapuche-Region: Die Folgen der Einwanderung
Am zweiten Tag seiner Chile-Reise hat Papst Franziskus deutlich Stellung zum Konflikt zwischen den Mapuche-Ureinwohnern und dem chilenischen Staat genommen. Worum geht es dabei?
In der grünen und an Rohstoffen reichen Region Araukanien, 700 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile, geben die Nachfahren deutscher und schweizerischer Einwanderer immer noch den Ton an. Ihnen gehören noch heute die meisten Unternehmen und Ländereien in diesem Teil Chiles. Ihre Vorfahren wurden Ende des 19. Jahrhunderts gezielt in Europa angeworben, um den rauen Süden Chiles zu besiedeln. Dafür erhielten sie vom chilenischen Staat Landtitel. Oft waren diese Territorien aber Gebiete, von denen zuvor die Mapuche vertrieben worden waren. Dabei hatten die Mapuche so lange wie kaum ein anderes indigene Volk in Lateinamerika den spanischen Konquistadoren Widerstand geleistet. Sie verfügten bis ins 19. Jahrhundert hinein über ein unabhängiges Territorium. Heute gehören etwa 1,3 der 17,6 Millionen Chilenen dem Volk der Mapuche an. Vor diesem Hintergrund ringen die Mapuche seit langem um mehr Anerkennung, um die Rückgabe von Territorien und um größere Autonomie. In ihrem Kampf setzen die Mapuche legale, manchmal aber auch illegale Mittel ein. Radikale Kreise der Mapuche verweisen dabei immer wieder darauf, dass auch die katholische Kirche für die historischen Ungerechtigkeiten mitverantwortlich sei, die ihnen widerfahren sind. Zum Teil besitzt die Kirche auch heute noch Gebiete, auf welche die Mapuche Anspruch erheben. Selbst das ehemalige Flughafengelände in Temuco, auf dem der Papst eine Messe feierte, wird von den Ureinwohnern beansprucht. Auch große Staudammprojekte und andere Eingriffe in die Naturräume wie großflächiges Abholzen haben zu sozialen Problemen bei ihnen geführt. Im vergangenen Jahr bat die damalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet erstmals um Verzeihung für die vom chilenischen Staat begangenen „Fehler und Gräuel“.