Politik
Luftkampf über Syrien
Der große Fluss Euphrat markierte bisher die Grenze zwischen dem russischen und dem amerikanischen Einflussgebiet im Bürgerkriegsland Syrien. Westlich des Stroms hat Russland die Lufthoheit inne und unterstützt mit seinen Kampfjets die eigenen Truppen in Syrien und die Armee von Machthaber Baschar al-Assad. Östlich des Stroms herrschen bisher die USA und ihre kurdischen Partner.
Offiziell haben die rund 900 US-Soldaten in Syrien den Auftrag, mit der kurdischen Miliz YPG ein Wiedererstarken des „Islamischen Staates“ (IS) im Osten Syriens zu verhindern. Mindestens ebenso wichtig ist aus amerikanischer Sicht indes etwas anderes: US-Bodentruppen und Kampfjets sollen verhindern, dass Russland, der Iran und Assads Regierung östlich des Euphrat Fuß fassen. Damit wollen sich die USA eine Mitsprache bei Entscheidungen über die Zukunft Syriens sichern, nicht zuletzt durch die Kontrolle über die syrischen Ölvorkommen im Osten des Landes.
Russische und iranische Störmanöver
Die US-Militärs betreiben östlich des Euphrat ein Dutzend Stützpunkte für ihre Bodentruppen und vier Militärflughäfen, wie das Magazin „The New Yorker“ berichtete. Zusammen mit der YPG kontrollieren die Amerikaner etwa 30 Prozent des syrischen Staatsgebietes. Assads Regierung kritisiert die US-Präsenz in ihrem Land als illegal und verlangt den Abzug der USA. Anders als die Amerikaner sind Russen und Iraner auf Einladung der syrischen Regierung im Land.
Trotz des Streits um die US-Truppen in Syrien hielt sich Moskau in den vergangenen Jahren meist an die Aufteilung des Luftraums. Gelegentliche Vorstöße der Russen und ihrer Verbündeten über den Euphrat nach Osten endeten im Debakel. Im Februar 2018 schlugen die Amerikaner einen Angriff russischer Söldner und syrischer Soldaten auf US-Stellungen in Deir al-Zour nahe der Grenze zum Irak zurück. Bis zu 300 Angreifer sollen damals umgekommen sein.
In jüngster Zeit häufen sich russische und iranische Störmanöver. Allein im März und April drangen russische Kampfflugzeuge 85-mal in den US-kontrollierten Luftraum östlich des Euphrat ein, wie das Magazin „Air & Space Forces“ unter Berufung auf die US-Luftwaffe meldete. In 26 Fällen überflogen bewaffnete russische Jets amerikanische Stellungen, was von Washington als Provokation gewertet wurde. Iranische Milizen griffen mehrere US-Lager in Syrien an; ein US-Militärberater starb, zwei Dutzend Soldaten wurden verletzt.
Russland, der Iran und Assads Regierung betreiben nach einem Bericht der „Washington Post“ seit dem Herbst ein gemeinsames Koordinationszentrum, um sich bei Angriffen auf die US-Truppen miteinander abstimmen zu können.