Politik Limburg: Haftbefehl gegen Verdächtigen erlassen
Ein Lastwagen als Tatwaffe, das erinnert an die tödlichen Terroranschläge von Berlin und Nizza. Doch im Limburger Fall rätseln die Sicherheitsbehörden noch über das Motiv des verdächtigten Syrers.
[Aktualisiert 19.45 Uhr] Gegen den Mann, der in Limburg mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren sein soll, ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Abend.
Der im Landkreis Offenbach wohnende 32-jährige Flüchtling hat laut Staatsanwaltschaft am Montag um 17.20 Uhr in Limburg einen Lastwagen geraubt, indem er dessen Fahrer gewaltsam aus der Kabine zog. Den Angaben zufolge wurde dabei keine Waffe eingesetzt. Der Tatverdächtige sei dann auf eine nahe Kreuzung zugerast und ungebremst mit mehreren Fahrzeugen kollidiert. Dabei seien sieben Autos und ein Kleintransporter zusammengeschoben worden. Acht Insassen dieser Fahrzeuge und der Tatverdächtige wurden den Ermittlern zufolge leicht verletzt. Der Mann wurde von drei jungen Beamten der Bundespolizei festgenommen, die sich zufällig in ihrer Freizeit am Tatort befanden.
Keine Verbindungen in Islamisten-Szene
Hessens Innenminister Peter Beuth erklärte, der Tathergang erinnere zwar an die Anschläge von Nizza im Sommer 2016 und auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin wenige Monate später, als Islamisten mit Lastwagen gezielt in die Menge fuhren und Dutzende Passanten töteten. Das Motiv des Mannes sei aber nach wie vor unklar: „Der tatverdächtige Syrer hat nach den derzeitigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene.“
Generalbundesanwalt wartet noch ab
Keinen Terror-Hintergrund hatte eine Gewalttat in Münster: Dort tötete im April 2018 ein Amokfahrer in der Innenstadt vier Menschen und erschoss sich anschließend selbst. Der Mann galt als psychisch labil.
Die für Terrorermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft verzichtete am Dienstag darauf, den Limburger Fall an sich zu ziehen. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden, sagte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage. Dieser ermitteln derzeit wegen versuchter Tötung gegen den Verdächtigen.
Aufenthaltserlaubnis abgelaufen
Nach dpa-Informationen ist der 32-Jährige, der seit 2015 in Deutschland lebt und seit 2016 einen eingeschränkten Schutzstatus hat, bisher mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen. Er soll eine Aufenthaltserlaubnis besessen haben, die allerdings am 1. Oktober abgelaufen war. Ob er sich bereits um eine Verlängerung gekümmert hatte, war zunächst nicht bekannt.
Sattelzug aus Heddesheim
Der Sattelzug gehört dem Logistikdienstleister Pfenning mit Sitz in Heddesheim im baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis. Das Unternehmen teilte auf seiner Homepage mit, der Laster sei auf einer Auslieferungstour gewesen. „Unserem Fahrer geht es den Umständen entsprechend“, hieß es weiter. „Unsere Gedanken gelten ihm sowie den Geschädigten.“