Politik Leitartikel: UN am Scheideweg

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US-Präsident Trump mahnt Reformen bei den Vereinten Nationen an.

In Wahrheit will er eine billige und gefügige Weltorganisation.

UN-Generalsekretär Guterres hingegen will echte Verbesserungen. Trumps gefährliches Denken in

Freund und Feind bedroht Geist und Charta der Vereinten Nationen.

Donald Trump

und António Guterres: Krasser können sich zwei Männer kaum unterscheiden. Hier der rüpelhafte Milliardär aus New York, der als US-Präsident dröhnend seine „America first“-Ideologie propagiert und sich keinen Deut um diplomatische Gepflogenheiten schert. Dort der polyglotte portugiesische Ex-Ministerpräsident, der mit Charme und ausdauernd für globale Zusammenarbeit wirbt und die Probleme der schwachen Länder ernst nimmt. Trump und Guterres haben vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen ihre unterschiedlichen Visionen für die Weltorganisation dargelegt. Es geht um die Frage: Sollen die UN zum Lakai ihres mächtigsten Mitgliedslandes, der USA, degradiert werden? Oder sollen die UN allen 193 Mitgliedsländern dienen? Dass die Vereinten Nationen fit gemacht werden müssen für einen Planeten, der durch vielerlei Probleme bedroht ist, liegt auf der Hand. Die UN, die durch amerikanische Führung auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges errichtet wurden, agieren in ihrer jetzigen Form zu schwerfällig, zu bürokratisch, zu intransparent. Spätestens nach der Wutrede des US-Präsidenten ist aber auch klar: Trumps gefährliches Freund-Feind-Denken bedroht Geist und Charta der Vereinten Nationen. Denn die UN stehen für Kooperation und Kompromiss, nicht für Konfrontation und Kriegstreiberei. Trumps Drohung, ein anderes UN-Mitgliedsland mit rund 25 Millionen Einwohnern, Nordkorea, total zu zerstören, dokumentiert seine Maßlosigkeit. Der Mann aus dem Weißen Haus meint es bitter ernst mit seiner „America first“-Ideologie. Wenn es sein muss, wird Trump aber auch den Grundsatz „America alone“ verfolgen: Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte wird für Militärschläge nicht vorher den UN-Sicherheitsrat um Erlaubnis bitten. Das machten andere US-Präsidenten in der Regel auch selten. Gleichzeitig, so der Trump’sche Ansatz, sollen die Vereinten Nationen spuren: Nur wenn die UN sich als nützlich erweisen, die Ziele zu erreichen, die auch Washingtons Ziele sind, wären sie als „gut“ anzusehen. Dabei drehen sich Trumps eigentliche Reformideen für die UN fast nur ums Geld. Die USA, die die höchsten Beiträge aller 193 Mitglieder an die UN überweisen, sollen weniger zahlen. Und die UN sollen mit weniger gut gefüllten Kassen mehr für die USA leisten. Trumps Vision ist ein auf die Spitze getriebener Herrschaftsanspruch der Vereinigten Staaten gegenüber den Vereinten Nationen. Generalsekretär Guterres hingegen weiß, wo es wirklich knirscht. Einst war er UN-Hochkommissar für Flüchtlinge; zehn Jahre lang lernte er die Schwachstellen der Mammutorganisation kennen – und fürchten. Nach seinen Plänen soll es auf allen Ebenen transparenter, schneller und effektiver zugehen. Er will durch präventive Diplomatie verhindern, dass politische Krisen in bewaffnete Konflikte umschlagen. Der Generalsekretär will auch den Geist der UN wiederbeleben. Sein Credo: „Wir müssen als Einheit handeln.“ Alle angedachten Reformen dienen ihm dazu, den obersten Auftrag der Vereinten Nationen, die Schaffung und die Bewahrung des Friedens, besser erfüllen zu können. Dazu zählen bei ihm auch der Kampf gegen den Klimawandel und der Kampf gegen die Armut. Werden die Vereinten Nationen „mehr Trump“ oder „mehr Guterres“ bekommen? Noch ist das nicht klar. Wollen jene UN-Mitgliedsländer, die an globale Kooperation glauben, „mehr Trump“ verhindern, müssen sie Guterres helfen.

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