Politik Leitartikel: Trumps Geister

Extrem rechte Gruppen fühlen sich in den USA derzeit im Aufwind.
Dafür verantwortlich ist auch der Präsident, der die Gesellschaft spaltet
und Ressentiments schürt. Dieser Präsident kann gar nicht
anders, als rassistischem Dünkel die Stichworte zu liefern.
hat die Geister gerufen, und nun wird er sie nicht wieder los. Wobei es korrekt heißen müsste, dass er sie gar nicht wieder loswerden will. Dass Rechtsextreme, weiße Nationalisten und Antisemiten bei einer genehmigten Kundgebung vorm Weißen Haus Flagge zeigen, hat natürlich mit dem Mann zu tun, der in diesem Haus residiert. Sicher, es war nur ein trauriges Häuflein, das da am Sonntag zu der berühmten Adresse an der Pennsylvania Avenue zog. Konfrontiert mit einer Übermacht von Gegendemonstranten, von denen etliche schon deshalb gekommen waren, weil sie in ihrer Stadt, der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, den Predigern des Hasses nicht unangefochten eine Bühne überlassen wollten. Gewittergüsse taten ein Übriges, um die Wirkung des Aufmarschs verpuffen zu lassen. Nur: So bescheiden die Kundgebung der Rechtsradikalen auch ausfiel, am Wesentlichen ändert es nichts. Schon ein kurzer Blick in die Statistik genügt, um dies zu erkennen. Allein in den zehn größten Städten der USA registrierte das Center for the Study of Hate and Extremism im Laufe des vorigen Jahres 1038 Straftaten, die durch nichts anderes motiviert waren als auch durch den Hass auf Menschen, in deren Hautfarbe oder Religion Dumpfbacken eine Bedrohung sehen. Das ist ein Anstieg von zwölf Prozent gegenüber dem Jahr davor. Seit Trump antrat, um Präsident zu werden, fühlen sie sich ermuntert durch Reden und Tweets, die auf Vorurteile anspielen und das Denken in Stereotypen bekräftigen. Wobei der Urheber hinterher gern den Unschuldigen gibt, indem er behauptet, die „Fake-News-Medien“ hätten ihm das Wort im Munde umgedreht. Die Folgen Trump’scher Rhetorik sind nicht zu übersehen. Als sich Tausende vor zwölf Monaten in der Kleinstadt Charlottesville versammelten, hielten sie es nicht einmal mehr für nötig, sich hinter Masken zu tarnen. Da marschierten sie mit brennenden Fackeln über den Campus der Universität, skandierten „Juden werden uns nicht ersetzen!“, um tags darauf eine Orgie der Gewalt zu provozieren. Damals wirkte es wie ein Schock, dass Trump allen Ernstes sagte, beide Seiten seien verantwortlich, die Alt-Right-Bewegung wie ihre linken Gegner, auf beiden Seiten gebe es sehr gute Leute. Doch längst ist klar, dass es kein Ausrutscher war. Dieser Präsident kann gar nicht anders, als rassistischem Dünkel die Stichworte zu liefern. Der Kandidat Trump hetzte gegen Barack Obama, dem er zuvor unterstellt hatte, gar nicht auf amerikanischem Boden geboren zu sein und somit zu Unrecht im Oval Office zu sitzen. Der Präsident Trump beschimpft schwarze Sportler als geistig beschränkt und nennt einen schwarzen Moderator den dümmsten Mann des Fernsehens. Er klagt über zu viele Migranten aus „shithole countries“, Dreckslöchern, wie er Länder in Afrika und der Karibik nennt, während er sich lieber Neubürger aus Norwegen wünscht. Spricht er über illegale Einwanderer aus Lateinamerika, redet er schon mal von „Tieren“. Das alles hat Methode, es ist die Strategie eines Populisten, der glaubt, auf Dauer einen Keil zwischen weiße Amerikaner und jene ethnischen Minderheiten treiben zu können, die in absehbarer Zeit die Mehrheit im Land bilden werden. Der Spalter im Weißen Haus, er schürt Ressentiments, er schürt die Angst vor dem „Anderen“, weil er hofft, mit Hilfe von Stereotypen auch die Wahl 2020 zu gewinnen.