Politik Leitartikel: Trumps Eigentor

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Der amerikanische Präsident ist ohne wirklichen Plan in das Treffen

mit seinem russischen Amtskollegen Putin gegangen. Wirklich schlimm

ist aber, dass er dabei auf dem eigenen Staat herumtrampelt. Von einer Männerfreundschaft, von

der Trump im Vorfeld geschwärmt

hatte, war nicht länger die Rede.

An diesem Tag war es einmal nicht Donald Trump, der zu spät kam. Beim G-7-Gipfel in Kanada genauso wie später beim Nato-Treffen hatte der US-Präsident die anderen Teilnehmer warten lassen. Die Botschaft: Ich, Trump, bin derjenige, auf den es ankommt! Gestern in Helsinki aber war es Trumps russischer Amtskollege Wladimir Putin, der mit einer Stunde Verspätung anreiste. Vielleicht Zufall, viel wahrscheinlicher aber ein gezielter Nadelstich im Schaulaufen zweier sehr großer Egos. Ein paar Stunden später stand fest: Als Gewinner des Treffens ist Putin vom Platz gegangen. Dies nicht nur, weil der Russe „eine der besten Fußball-Weltmeisterschaften überhaupt“ ausgerichtet hat, wie Trump ihm bescheinigte. Der Amerikaner war ohne Plan, aber mit hohen Erwartungen an die Wirkung der eigenen Persönlichkeit in das Gespräch gegangen. Heraus kam er mit leeren Händen. Man einigte sich in den mehrstündigen Beratungen lediglich darauf, bei allen Konfliktthemen – von Syrien über die Krim-Annexion bis zur Nuklearabrüstung – „konstruktiv“ im Gespräch zu bleiben. Mehr nicht. Von der Hoffnung auf eine Männerfreundschaft, von der Trump im Vorfeld geschwärmt hatte, war nicht länger die Rede. Putin sei ein „Wettbewerber“, sagte Trump in der anschließenden Pressekonferenz, und bezeichnete das als „ein Kompliment“. Zum PR-Desaster wurde das Treffen für Trump allerdings nicht deswegen, weil weitgehende Verhandlungserfolge ausblieben. Vielmehr trug dazu der eigene Auftritt vor der Weltpresse bei, bei dem Trump den Informationen amerikanischer Geheimdienste bei der Beurteilung der Affäre um die Manipulation des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 keine höhere Glaubwürdigkeit zubilligte als den Beteuerungen Putins, der solche Vorwürfe komplett abstreitet. Selbst in den Reihen der US-Republikaner dürften viele die Faust in der Tasche geballt haben, während sie vor dem Fernseher zuhörten, wie ihr Präsident und Parteimitglied die Demokratie in den USA desavouierte. Trump ist von den Amerikanern vor allem aus innenpolitischen Gründen gewählt worden – aber die Folgen seiner Selbstüberschätzung bekommt die ganze Welt zu spüren. Seit seinem Amtsantritt hat er die engsten Verbündeten mit Missachtung, Kritik oder mit offener Ablehnung behandelt. Trump hat der Welt klar gemacht, wie viel ihm sieben Jahrzehnte westlicher Gemeinsamkeit bedeuten: nichts. Wer würde sich heute noch darauf verlassen, dass Amerika fest zu seinen Bündnisverpflichtungen steht? Immerhin bewahrheiteten sich die Sorgen der Europäer nicht, Trump könnte beim Treffen mit Putin die Annexion der Krim anerkennen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Amerika unter Trump hat seine Rolle als westliche Führungsmacht, die sich als Hüterin einer regelbasierten internationalen Ordnung und offenen Weltwirtschaft versteht, aufgegeben. Die Grand Old Party, die Partei der Republikaner, hat dem Treiben ihres Präsidenten bisher still ergeben zugesehen – auch wenn sie seine Ansichten vielfach nicht teilt. Es gibt wenig Hoffnung, dass die Gipfel-Blamage von Helsinki daran wirklich etwas ändern wird. Trumps Ego-Trip rückt die USA immer näher an das Zerrbild heran, das die Kritiker schon lange zeichnen: Es ist das Bild einer Nation, die frei ist von moralischen Werten und die ihre eigenen Interessen durchdrückt. Letztlich ist ein solches Amerika nicht glaubwürdiger als die Schurkenstaaten im Rest der Welt.

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