Politik Leitartikel: Im Auge des Sturms

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Donald Trump geriert sich als Hurrikan-Bezwinger und als

unvergleichlicher Katastrophenmanager. Doch der Wiederaufbau zerstörter

Städte ist das eine, langfristige Klimaschutzpolitik das andere. Wirklich „großartig“ wäre Trump,

wenn er nicht länger in Kategorien

eines Immobilienmoguls dächte.

Wäre es nicht zum Weinen, man könnte darüber lachen. Innerhalb weniger Tage überrollen Hurrikane den Süden der USA – und der US-Präsident feiert sich selbst per Twitter als besten Krisenmanager. Peinlicher noch: Donald Trump berauscht sich förmlich an der zerstörerischen Kraft eines Sturmes wie „Harvey“: Dieser sei episch! Historisch! Und er sei dabei! Wow! Derweil saufen Stadtteile ab, verlieren Menschen ihr Leben. Soll man darüber lachen oder weinen, dass Trump nur wenige Tage vor „Harvey“ eine Anordnung unterzeichnet hat, die erneut Teile der Klimaschutzpolitik seines Amtsvorgängers Barack Obama aushebelt? Dessen Ziel war, Kommunen und Wirtschaft besser gegen das steigende Überflutungsrisiko zu wappnen. Soll man lachen oder weinen, wenn sich Trump im Hurrikan-Kontrollzentrum sehen lässt, wo Meteorologen den Zug der Hurrikane errechnen? Dazu muss man wissen: Einen Monat vor seinem Amtsantritt brachten US-Klimawissenschaftler in einer Nacht-und Nebelaktion riesige Datensätze in Sicherheit. Aus Furcht, Trump und die Seinen, die den Klimawandel für „eine Erfindung der Chinesen“ halten, könnten die regierungseigenen Computerserver abschalten. In der Tat: Trump hat das Geld für die Klimaforschung radikal gekürzt. Im Juni verkündete er den Ausstieg aus dem Welt-Klimavertrag von Paris. Seriöse Klimaexperten werden sich hüten, das Entstehen einzelner Tropenstürme dem globalen Klimawandel zuzuschreiben. Voraussetzung dafür ist eine Wassertemperatur von mindestens 26,5 Grad Celsius und Bedingungen, wie man sie eben in der Karibik und im Golf von Mexiko antrifft. Aber seit Jahrzehnten warnen Forscher, dass die Intensität dieser Stürme zunehmen könnte, weil der Klimawandel auch die Ozeane aufheizt. Ist es nur Zufall, dass innerhalb weniger Tage einer der bisher regenreichsten Hurrikane („Harvey“) und der stärkste je im Atlantik gemessene Hurrikan („Irma“) toben? Das größte Problem aber ist: Bedingt durch den Klimawandel steigt der Meeresspiegel. Durch Stürme verursachte Flutwellen werden daher für Küstenorte gefährlicher. Und die allermeisten großen Städte liegen am Meer, nicht nur in den USA. Auch wenn die Verwüstungen, die die Stürme in Amerika angerichtet haben, gigantisch sind: Die USA haben die Ressourcen, das wieder hinzubekommen. Sie hätten sogar den notwendigen Raum, um Fehler bei der bisherigen Siedlungspolitik auszugleichen. Denn die Schäden sind ja auch deswegen so hoch, weil zum Beispiel in Gegenden gebaut wurde, die eigentlich Überschwemmungsgebiete sind. Andere Länder freilich haben diese finanziellen Mittel nicht. Staaten wie Bangladesch, das derzeit wegen heftigen Monsunregens zu einem Drittel unter Wasser steht (was kaum für Schlagzeilen sorgt), haben auch nicht den Raum, um Millionen Menschen umzusiedeln. Sie sind darauf angewiesen, dass die Industrieländer (die für die allermeisten Treibhausgase in die Atmosphäre verantwortlich sind) ihnen beim Anpassen an den Klimawandel unter die Arme greifen. Sie sind darauf angewiesen, dass ihnen Länder wie die USA Forschungsresultate zum Klima zur Verfügung stellen. Wirklich „großartig“ wäre Donald Trump, wenn er nicht länger in Kategorien eines Immobilienmoguls denken würde. Motto: „Wir werden Houston wieder aufbauen, schöner und größer als je!“ Trump könnte auftreten als wirklicher US-Präsident, der weiß, dass er Verantwortung übernimmt: für sein Land, aber auch für den Rest der Welt.

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