Politik Leitartikel: „Gutmensch“ Jesus

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Gottes Sohn war auf Erden hilfsbereit, barmherzig, großzügig.

Heute werden die Tugenden, die er verkörperte,

oft als naiv verunglimpft. „Edel sei der Mensch, hilfreich und

gut. Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.“

Würde Jesus heute leben, hielten nicht wenige Zeitgenossen ihn für einen „Gutmenschen“. Denn Jesus war bedingungslos hilfsbereit. Er war barmherzig. Er teilte, was er hatte, auch wenn das wenig war. Einen Moralisten, Illusionär, Naiven und Traumtänzer würden diesen Jesus heute jene nennen, die gute Menschen abfällig als „Gutmenschen“ diskreditieren. Es stimmt: Jesu Güte wurde von einigen seiner Zeitgenossen hemmungslos ausgenutzt. So wie heute manche Hilfsbedürftige den guten Willen ihrer Helfer schamlos ausnutzen, manchmal sogar mit krimineller Energie. Menschen werden eben nicht selbstverständlich zu guten Menschen, nur weil ihnen viel Hilfe zuteil geworden ist. Dass in allgemeiner Armut, wie zu Jesu Zeiten, viele Menschen ausschließlich nach ihrem eigenen Auskommen strebten, mag man irgendwie noch nachvollziehen. Aber in Wohlstandsgesellschaften wie unserer gibt es ja nicht weniger Egoisten. Jesus ist stärker gewesen als seine Kritiker und Gegner. Denn wie er die Gebote Gottes auf Erden lebte, wie er seinen himmlischen Vater menschlich machte, das hatte eine ungeheure Strahlkraft. Der Aufstieg des Christentums nach dem Pfingstwunder war zwar dornenreich, oft gewalttätig und menschenfeindlich, weil Menschen im Namen Gottes gottlos und unmenschlich handelten. Dennoch hat der christliche Glaube im Verein mit anderen Errungenschaften Befriedung bewirkt, Humanität und Solidarität befördert, Demokratie ermöglicht. In all dem hat das Christentum heute einen Vorsprung vor dem Islam, zumindest so wie er sich in der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts darstellt. Europa wäre heute nicht das, was es ist, ohne seine christlichen Wurzeln. Dieses befriedete, demokratische Europa, das Populisten gerne verkürzen auf das „christliche Abendland“, gehört zweifellos zu einer deutschen Leitkultur, sofern man eine solche überhaupt konstatieren möchte. Und wer dieses Abendland gegen tatsächliche und angebliche Bedrohungen verteidigen will, etwa gegen Islamisten, der muss dann, so hat es Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert ganz zutreffend formuliert, „seinerseits den Mindestansprüchen der westlichen Zivilisation genügen: Toleranz üben, die Freiheit der Meinung, der Rede, der Religion wahren und den Rechtsstaat achten“. Ein Kronzeuge einer deutschen Leitkultur wäre ganz sicher Johann Wolfgang von Goethe, dessen literarisches und dichterisches Werk vom christlich-humanistischen Menschenbild geprägt ist: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen“, schrieb Goethe. Ein jeder kennt das. Die meisten sogenannten Gutmenschen handeln im Sinne der christlichen Botschaft und des Humanismus und edel im Sinne Goethes. So wie Jesus stärker war als seine Kritiker, sind auch „Gutmenschen“ wegweisend für eine Gesellschaft, mehr als ihre Gegner. Denn sie sorgen für einen Grundton der Menschenwürde, der Mitmenschlichkeit, des Zusammenhalts und der Gastfreundschaft in unserer Gesellschaft. Auf diesem Grundton der Humanität lässt sich – sogar unter Achtung einer „Leitkultur“ – viel leichter ein Miteinander zum Wohle aller herstellen als mit Ängstlichkeit, Abschottung und Volkstümelei. Die meisten „Gutmenschen“ sind einfach nur gute Menschen. Jesus hätte seine Freude an ihnen.

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