Politik Leitartikel: Chance auf Entspannung

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So martialisch die Drohgebärden auf beiden Seiten zuletzt ausfielen:

Der Zeitpunkt für eine Annäherung zwischen

Nord- und Südkorea ist günstiger denn je. Südkorea kann sich nicht mehr sicher auf die USA verlassen. Seoul muss

eine eigene Strategie entwickeln.

Dieser Schritt überrascht. Inmitten der seit Jahren schärfsten Auseinandersetzungen um Nordkoreas Atomwaffenprogramm hat Südkoreas frisch gewählter Präsident Moon Jae In dem verfeindeten Nachbarn im Norden in dieser Woche Gespräche angeboten. Dabei hatte Pjöngjang erst Anfang des Monats mit dem angeblichen Test einer Interkontinentalrakete die Weltgemeinschaft erneut provoziert. Damit das notorisch misstrauische Regime in Pjöngjang auf das Angebot auch eingeht, hat Seoul schon konkrete Zugeständnisse gemacht. Von humanitären Hilfslieferungen ist die Rede, einem neuen Anlauf für die Zusammenführung von Familien, die seit dem Koreakrieg in den 1950er Jahren auseinandergerissen sind. Das südkoreanische Militär erklärte sich sogar bereit, die Lautsprecherpropaganda an der Grenze einzustellen, die seit Nordkoreas Atomtest 2016 ununterbrochen läuft und Pjöngjang ein besonderes Ärgernis ist. Dieses Entgegenkommen der Südkoreaner überrascht jedoch nur auf den ersten Blick. Denn so martialisch die gegenseitigen militärischen Drohgebärden in den vergangenen Monaten waren – tatsächlich könnte der Zeitpunkt für eine Annäherung nicht besser sein. Da ist zum einen der innenpolitische Wandel in Südkorea. Im Frühjahr musste Moons rechtskonservative Amtsvorgängerin Park Geun Hye wegen des Verdachts der schweren Korruption aus dem Amt scheiden. Park stand für einen extrem harten Kurs im Umgang mit Nordkorea. So lehnte sie aus Prinzip jegliche Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang ab und setzte stattdessen auf militärisches Säbelrasseln. Bei vorgezogenen Neuwahlen im Mai gewann der linksliberale Menschenrechtsanwalt Moon haushoch. Er weiß eine große Mehrheit der Südkoreaner hinter sich. Seine Annäherungspolitik ist innenpolitisch also legitimiert. Doch auch außenpolitisch haben sich die Bedingungen geändert. Südkorea kann nicht länger auf die einstige Schutzmacht USA setzen. Unter Präsident Donald Trump haben die Vereinigten Staaten keine konkrete Strategie mehr im Umgang mit dem Regime in Nordkorea. Das hat Vor- und Nachteile zugleich. Der große Nachteil ist, dass sich Südkorea verteidigungspolitisch nicht mehr auf die USA verlassen kann. Dafür hat Trump allzu unterschiedliche Signale von sich gegeben. Mal kündigte er an, die US-Militär-Präsenz in Ostasien zu verringern. Dann wieder drohte er Nordkorea mit Militärschlägen. Das würde die Gefahr eines nordkoreanischen Bombenangriffs auf die 20-Millionen-Metropole Seoul unweit der Grenze erhöhen. Der Vorteil an dieser Trumpschen Ziellosigkeit ist jedoch, dass sich die Regierung in Seoul stärker auf die Entwicklung einer eigenen Strategie besinnen muss. Südkoreas Präsident Moon hat dies erkannt. Und mehr noch. Er möchte an die Politik des früheren Präsidenten Roh Moo Hyun anknüpfen. Unter Roh wurde Moon als Stabschef zum Architekten der sogenannten Sonnenscheinpolitik. Diese steht für bedingungslose Hilfslieferungen in der Hoffnung, Pjöngjang von seinem Atomprogramm abzubringen. Die Chancen auf einen Erfolg stehen nicht so schlecht. Denn tatsächlich sucht auch Nordkorea einen Ausweg aus dem zuletzt arg zugespitzten Streit. So sehr das Regime um Diktator Kim Jong Un bereit ist, sämtliche Register zu ziehen, um einen Sturz durch die USA zu vermeiden: Lebensmüde ist Kim nicht. Sollte sich ein gesichtswahrender Weg finden, die Spannungen abzubauen, würde er ihn nutzen.

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