Russland
Lange Lagerhaft für Ex-Journalisten
„Ich werde meine Haft in Ehre und Würde absitzen“, hatte der frühere Journalist der Wirtschaftszeitung „Kommersant“ in seinem Schlusswort vergangenen Dienstag gesagt. Aber ein Schuldspruch sei trotzdem ungeheuerlich und würde in Russland die Freiheit des Wortes beseitigen, ergänzte er.
Safronow sitzt seit zwei Jahren isoliert in einer acht Quadratmeter großen Zelle, die Ermittler des Geheimdienstes FSB erlauben keine Telefonate oder Besuche seiner Familie. Seit April lief der Prozess gegen ihn, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Safronow soll laut Anklage zwischen 2015 und 2018 militärische Staatsgeheimnisse an den Tschechen Martin Larisch und den Deutschen Dmitri Woronin geliefert haben, die laut FSB für Nato-Geheimdienste arbeiteten.
Frei verfügbare Informationen
Safronow bat Ermittler und Richter wiederholt, ihm für drei Stunden ein Notebook zur Verfügung zu stellen. Dann werde er beweisen, dass alle Geheiminformationen, die er angeblich verraten habe, im Internet zu finden seien. Sein Wunsch wurde abgelehnt, aber das investigative Portal proekt.media hat die in der Anklageschrift aufgeführten „Staatsgeheimnisse“ mit offen zugänglichen Online-Publikationen verglichen. Fazit: „In fast allen Fällen entdeckten wir eine vollständige, in einem eine sehr weitgehende Übereinstimmung.“ Laut proekt.media gibt es auch keine Beweise für die Behauptung des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, dass Larisch und Woronin mit Geheimdiensten kooperierten. Vielmehr boten sie als Berater Privatkunden Russland-Analysen an, die außer Safronow auch zahlreiche andere Moskauer Journalisten lieferten.sns