Politik Krise kostet bisher fast 600 000 Arbeitsplätze

Sieht den Arbeitsmarkt unter Druck: Arbeitsagentur-Chef Detlef Scheele.
Sieht den Arbeitsmarkt unter Druck: Arbeitsagentur-Chef Detlef Scheele.

Auch im Mai hat der Arbeitsmarkt unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten. Die Anzahl der Arbeitslosen stieg bundesweit auf 2,8 Millionen. Ähnlich sieht die Entwicklung in Rheinland-Pfalz aus.

Völlig untypisch für einen Mai ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum April noch einmal um 169.000 Menschen gestiegen. „Jeder fünfte Arbeitslose von den 2,8 Millionen ist gegenwärtig auf den Corona-Effekt zurückzuführen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, am Mittwoch. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent. Der Arbeitsmarkt sei wegen der Pandemie „weiterhin stark unter Druck“, umschrieb Scheele die Lage. Normalerweise erlebt der Arbeitsmarkt sowohl im April als auch im Mai einen Frühjahrsaufschwung, die Anzahl der Arbeitslosen geht um diese Jahreszeit saisonbedingt üblicherweise nach unten.

Die Bundesagentur geht aufgrund einer Schätzung davon aus, dass bis zum 30. April rund sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit gewesen sind – in der Spitze könnten es sogar 7,5 Millionen werden. Bis Ende März waren es Hochrechnungen zufolge 2,02 Menschen. Das alleine wäre schon ein neuer Rekord.

Auch in Rheinland-Pfalz blieben die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt im Mai deutlich spürbar. Die Anzahl der Arbeitslosen stieg um 7700 auf 125.100 – ein Plus von 29.200 gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber April um 0,3 Punkte auf 5,5 Prozent.

In der Corona-Krise haben nach Angaben der zuständigen BA-Regionaldirektion 40.000 Unternehmen in Rheinland-Pfalz Kurzarbeit angezeigt. In diesen Anzeigen seien 452.000 Beschäftigte angegeben.

Die deutlich verschlechterte Lage am Arbeitsmarkt spiegelt sich auch bei den Neueinstellungen wider. Im Mai waren 584.000 Stellen bei der BA gemeldet, das waren 208.000 weniger als vor einem Jahr. Der Rückgang habe sich „aber immerhin gefangen“, sagte Scheele. In Rheinland-Pfalz gab es im Mai mit 4900 Angeboten mehr gemeldete offene Stellen als noch im April. Allerdings sind das zugleich ein gutes Drittel weniger als noch ein Jahr zuvor.

In der Corona-Krise ist die Anzahl der Krankmeldungen spürbar gestiegen. Dadurch entstünden den Arbeitgebern Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro. So viel müsse in diesem Jahr voraussichtlich zusätzlich für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aufgebracht werden, erklärte das arbeitgebernahe Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die erhöhte Anzahl der Krankmeldungen im März führt das Institut vor allem auf die Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung bei leichten Erkältungskrankheiten zurück.

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