Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Krieg im Sudan: Europa hat versagt

Rauch von Artilleriefeuer steigt über Khartum auf.
Rauch von Artilleriefeuer steigt über Khartum auf.

Der Bürgerkrieg im Sudan hätte verhindert werden können. Doch das hat Europa versäumt und könnte dafür die Quittung bekommen.

Nach dem Sturz des Diktators Omar Al-Bashir 2019 trotzte die sudanesische Protestbewegung dem Militär ein Abkommen ab: Die Armee sollte innerhalb von drei Jahren ihre Macht an eine zivile Regierung übergeben, um anschließend demokratische Wahlen abzuhalten. Es war ein Sieg der arabischen Zivilgesellschaft, die das praktisch allein geschafft hat. International interessierte sich damals kaum jemand für das Land. Mit Ausnahme der autokratischen arabischen Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten, die mit allen Mitteln sicherstellen wollten, dass im Sudan keine Demokratie entsteht. Ihnen hat die internationale Gemeinschaft, hat Europa die Einflussnahme auf den Sudan überlassen und damit die Protestbewegung den Generälen zum Fraß vorgeworfen.

Nun ist es zu spät. Der Krieg führt jeden Tag mehr zu einer humanitären Katastrophe. Doch auch das wird langsam ad acta gelegt, denn die Europäer sind evakuiert. Aufwachen werden dann alle, wenn eintrifft, wovor das UN-Flüchtlingswerk UNHCR warnt: Der Konflikt könnte mehr als 800.000 Menschen zu Flüchtlingen machen. Wenn die sich nach Europa aufmachen, wird der Aufschrei groß sein.

Der Krieg hätte verhindert werden können, hätte man die zivile Protestbewegung und ihren Kampf um Veränderung ernsthaft unterstützt, die Militärs sanktioniert und die arabischen Autokraten gewarnt, vom Sudan ihre Finger zu lassen.

x