Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Krawall in Barcelona: Sitzen die Strippenzieher in Moskau?

Auch am vergangenen Samstag prallten in Barcelona Staatsmacht und Separatisten wieder aufeinander.
Auch am vergangenen Samstag prallten in Barcelona Staatsmacht und Separatisten wieder aufeinander. Foto: REUTERS

Die Russen haben mal wieder die Finger im Spiel. Das vermelden zumindest spanische Medien. Der permanente Ärger, den die Zentralregierung in Madrid mit den aufmüpfigen Katalanen hat, soll aus Moskau zusätzlich angefacht werden.

Dass der russische Geheimdienst die separatistischen Bestrebungen in der nordspanischen Region dazu zu nutzen versucht, um Spanien und die EU zu destabilisieren – dieser Verdacht passt nur zu gut zu den Hinweisen diverser Geheimdienste aus EU-Ländern, wonach für Moskau auch die Brexit-Abstimmung, die Gelbwesten-Proteste in Frankreich und die US-Präsidentschaftswahlen eine willkommene Gelegenheit darstellten, um Zwietracht zwischen den westlichen Staaten zu säen. Die demokratische Welt solle mit Desinformationskampagnen geschwächt werde – ein Vorwurf, den Moskau stets empört zurückwies.

Manipulierte Nachrichten in den sozialen Netzwerken

In der Auseinandersetzung um eine mögliche Abspaltung Kataloniens soll der russische Geheimdienst mit manipulierten Nachrichten in sozialen Netzwerken versucht haben, die politischen Spannungen weiter zu verschärfen. Den Zeitungen El País und La Vanguardia zufolge ermittelt wegen dieser mutmaßlichen Einmischung inzwischen Spaniens Nationaler Gerichtshof in Madrid. Der Untersuchungsrichter habe die Ermittlungen allerdings zur Geheimsache erklärt, vermelden die Medien.

Der deutsche Verfassungsschutz hatte bereits 2018 auf einem internationalen Geheimdiensttreffen in Berlin gewarnt, es lägen „sehr plausible“ Informationen über einen russischen Propagandafeldzug in Katalonien vor. Spaniens Regierung hatte schon damals beklagt, dass von Russland aus in den sozialen Netzwerken separatistische Agitation verbreitet würde.

Spezialeinheit des Geheimdienstes GRU unter Verdacht

Nun sollen die spanischen Ermittler eine Spezialeinheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU mit dem Decknamen „29155“ in Visier haben. Diese sei für Desinformationskampagnen in der westlichen Welt zuständig. Die Agentengruppe sei häufiger in den Ermittlungsakten der europäischen Sicherheitsbehörden aufgetaucht sein, hieß es.

Aufhorchen lässt auch, dass ein hochrangiger russischer Geheimdienstoffizier zwei Mal die katalanische Regionalhauptstadt Barcelona besuchte – und zwar vor dem Referendum im Oktober 2017, mit dem Kataloniens Separatisten den spanischen Staat herausforderten.

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