Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Konflikt in der Ukraine: Quasi Ein Weltkrieg

Ein Vater mit seinem unterernährten Sohn im Norden Kenias.
Ein Vater mit seinem unterernährten Sohn im Norden Kenias.

Die Folgen von Russlands bewaffnetem Angriff auf die Ukraine sind weltweit spürbar. So droht Tausende Kilometer von Osteuropa entfernt vielen Menschen der Hungertod.

Spätestens seit am Montag der Transport russischen Gases durch die Pipeline Nord Stream 1 wegen Wartungsarbeiten unterbrochen wurde, hat in Deutschland ein kollektives Zittern eingesetzt. Die Frage, ob Russland die Gaslieferungen in einigen Tagen wieder aufnehmen oder dauerhaft stoppen wird, treibt alle um – die Politik ebenso wie Unternehmen und Millionen Privathaushalte, die mit Bangen der kalten Jahreszeit entgegensehen und sich ohnehin bereits auf deutlich höhere Gasrechnungen einstellen müssen.

Es sind nicht nur die Energiepreise, die steil nach oben klettern. Auch viele Lebensmittel und andere Produkte sind mitunter knapp und, wenn erhältlich, merklich teurer als noch vor ein paar Monaten. Die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sind längst in Deutschland, ja in ganz Europa spürbar.

Das Ziel, den Hunger zu besiegen, rückt in weite Ferne

So dramatisch die Folgen dieses Krieges auf unserem Kontinent auch sein mögen – in anderen Regionen der Erde geht es buchstäblich um Leben und Tod. Die Zahlen, die die Welthungerhilfe am Dienstag vorgelegt hat, belegen dies. Weit über 800 Millionen Menschen weltweit leiden demnach mittlerweile Hunger, besonders katastrophal ist die Lage in Teilen Afrikas. Dort bilden die Auswirkungen des Krieges in Form fehlender beziehungsweise unbezahlbar teurer Nahrungsmittel zusammen mit den Folgen des Klimawandels und der Corona-Pandemie ein für zahllose Menschen tödliches Ursachengeflecht. Das UN-Ziel, bis 2030 den Hunger in der Welt zu besiegen, rückt dabei in immer weitere Ferne. Zumal ein weltweit abgestimmtes Vorgehen, wie es im Kampf gegen den Hunger notwendig wäre, angesichts des kompletten Zerwürfnisses zwischen „dem Westen“ einerseits, Russland (und China) andererseits auf absehbare Zeit ausgeschlossen erscheint.

Vor dem Hintergrund der alarmierenden Zahlen der Welthungerhilfe hat Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze, wie schon andere vor ihr, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, den Hunger als Kriegswaffe einzusetzen. Schulze hat recht – und Putin stellt sich damit in eine Reihe mit ungezählten Kriegsherren, die sich, von der Antike über das Mittelalter bis in unsere Zeit, des Hungers als Mittel der Kriegsführung bedienten.

Menschen fallen nicht Kugeln oder Bomben zum Opfer, sondern verhungern

Dabei müssen Putins Truppen heutzutage keine Städte mehr belagern, Felder verwüsten, Tiere abschlachten oder Brunnen vergiften, um Menschen von lebensnotwendiger Nahrung abzuschneiden. In Zeiten, in denen auch die Landwirtschaft längst globalisiert ist, gibt es dafür andere Mittel und Wege. Und Putin kann Kritik und Empörung an seinem Vorgehen abschmettern, indem er behauptet, nicht Russland, sondern die Ukraine sowie die Sanktionspolitik des Westens seien verantwortlich dafür, dass Lieferwege blockiert sind und die Anzahl der Hungernden dramatisch steigt. Eine Argumentation zudem, die bei vielen Betroffenen offenbar auf fruchtbaren Boden fällt.

So haben die Folgen des militärischen Konflikts in der Ukraine längst weite Teile der Erde erreicht. Es droht daraus eine Art Weltkrieg zu werden, in dem viele nicht Kugeln oder Bomben zum Opfer fallen, sondern – Tausende Kilometer vom eigentlichen Kriegsschauplatz entfernt – verhungern.

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