Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar zum Streit USA-Türkei: Türkische Illusionen

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Hinter der Entscheidung der türkischen Regierung, den Streit mit den USA in der Rüstungspolitik auf die Spitze zu treiben, steht eine Illusion. Präsident Erdogan hat sein Land sehenden Auges in den neuen Konflikt mit dem Westen geführt, weil er seinen eigenen Einfluss und die Macht seines Landes überschätzt. Seine Regierung setzt darauf, dass die Türkei als eigenständige Regionalmacht unabhängig von ihren bisherigen Verbündeten im Westen handeln kann.

Das Land an der Schnittstelle zwischen Ost und West ist zwar wichtig – aber so wichtig, wie in Ankara angenommen wird, ist es nun auch wieder nicht. Die deutsche Bundeswehr verlegte ihre Tornado-Jets für Einsätze in der Anti-IS-Koalition aus der Türkei nach Jordanien – ohne negative Folgen für die Mission. Jetzt verkaufen die USA die ursprünglich für die Türkei vorgesehenen F-35-Kampfjets womöglich an Griechenland.

Nicht mehr Eigenständigkeit für die Türkei

Vor allem aber bedeutet Streit mit dem Westen nicht automatisch mehr Eigenständigkeit für die Türkei. Russland gewinnt im Gegenzug mehr Einfluss in Ankara, erst recht, wenn Erdogan jetzt auch noch russische Kampfflugzeuge kaufen sollte, um den Ausfall der F-35 auszugleichen. In Syrien ist die Türkei ohnehin bereits auf das Wohlwollen des Kremls angewiesen. Wirtschaftlich ist die Türkei weiter stark von Exporten nach Europa abhängig.

Die Vorstellung der Regierung in Ankara von einer starken Türkei, die als Einzelakteur im Konzert der Weltmächte mitspielt und ihre Interessen durchsetzt, wird deshalb ein Traum bleiben. Ein Traum, den das Land möglicherweise teuer bezahlen muss.

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