Politik Kommentar: Umdenken nötig

Nach dem Tod des Journalisten Kaschoggi sollte der Westen genau
prüfen, wie er mit der Regierung in Saudi-Arabien umgeht.
Nach dem Mord an dem Journalisten Dschamal Kaschoggi warnen Anhänger des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der Westen dürfe bei seiner Reaktion die Stabilität Saudi-Arabiens als Schlüsselland im Nahen Osten nicht gefährden. Dass sich Riad so sehr auf das Stabilitäts-Argument verlegt, kommt nicht von ungefähr. Über Jahrzehnte hat der Westen mit Hinweis darauf im Nahen Osten eine Reihe brutaler Herrscher gestützt oder auch entmachtet. Hinter dem Begriff „Stabilität“ verbirgt sich das Ziel, die Machtinteressen von USA und Europäern zu sichern. In Saudi-Arabien stellt sich der Westen hinter eine Monarchie, die eine extreme Auslegung des Islam propagiert, Frauen unterdrückt und Regimegegner verfolgt. Doch das Land besitzt ein Fünftel der weltweiten Ölvorräte. Die Führung in Riad weiß, wie wichtig sie für die USA und Europa ist. Kronprinz Mohammed hat die Amerikaner davon überzeugt, dass Saudi-Arabien nur mit ihm an der Spitze nach Ausbeutung der Ölvorräte pro-westlich – also „stabil“ – bleiben wird. Obendrein verspricht der Prinz Milliardenaufträge für die US-Rüstungsindustrie. Nach Kaschoggis Tod sollten westliche Länder jedoch umdenken. Gefragt ist ein neuer Umgang mit einem Partner wie Saudi-Arabien, der Journalisten tötet und durch Kriege wie dem in Jemen fast 20 Millionen Zivilisten zum Hungern verdammt. Falsche Vorstellungen von „Stabilität“ dienen nicht den Interessen des Westens, sie schaden ihnen.