Politik
Kommentar: Streit um die Tragödie in Teheran
Die Suche nach der Ursache für den Tod von 176 Passagieren wird zum Politikum zwischen dem Iran und dem Westen. Es steht viel auf dem Spiel.
Nach dem Tod von 176 Menschen bei dem Flugzeugabsturz im Iran beginnt ein Propagandakrieg zwischen dem Regime in Teheran und dem Westen. Die Iraner werden alles tun, um Vorwürfe aus den USA und Kanada zu entkräften, dass ihre Luftabwehr das Flugzeug versehentlich abgeschossen hat. Auf der anderen Seite werden Iran-feindliche Hardliner, besonders in Washington, nichts unversucht lassen, um die Mullah-Regierung als menschenverachtendes Regime hinzustellen, dem nicht zu trauen ist.
Das Recht der Angehörigen auf die Wahrheit
Die Wahrheit wird möglicherweise niemals ans Licht kommen. Die Forderung der EU nach einer „glaubwürdigen“ Untersuchung ist ein frommer Wunsch. Das ist schlimm, denn die Hinterbliebenen haben ein Recht darauf, zu erfahren, was mit ihren Verwandten und Freunden geschehen ist und wer die Verantwortung trägt.
US-Medienberichte, wonach iranische Behörden vor der Ankunft internationaler Experten alle Trümmerteile von der Absturzstelle bei Teheran entfernen ließen, verstärken im Westen den Verdacht, dass der Iran etwas zu verbergen hat. Doch weder amerikanische noch kanadische Geheimdienstler haben bisher Beweise für ihre These eines Raketentreffers auf das Verkehrsflugzeug vorgelegt.
Risiko eines neuen Krieges hoch
Für politische Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA fehlt jede Grundlage. Eine Woche nach dem US-Mordanschlag auf den iranischen General Soleimani ist das Risiko eines neuen Krieges im Nahen Osten trotz aller Bemühungen um Deeskalation nach wie vor hoch.