Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Ohne Kitas läuft nichts mehr

Geschenke brachten Bundesfamilienministerin Giffey (links) und die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Hubig in eine Mainzer
Geschenke brachten Bundesfamilienministerin Giffey (links) und die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Hubig in eine Mainzer Kita. Foto: dpa

Die frühkindliche Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb können die Millionen aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ des Bundes für Rheinland-Pfalz nur ein Anfang sein.

Innerhalb von gut zwei Jahrzehnten hat sich eine Revolution in den Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz vollzogen. Damals gab es noch Einrichtungen, die Kinder erst aufnahmen, wenn sie „trocken“ waren, also keine Windeln mehr brauchten. Es war eher die Regel als die Ausnahme, dass Mama, manchmal Oma, ganz selten Papa mittags Punkt 12 Uhr die Kinder abholte. Gegessen wurde nämlich zu Hause.

Wie es um die sprachliche Entwicklung stand, um die musikalische Erziehung, um die Förderung der Feinmotorik und des sozialen Miteinanders, das alles hing vom persönlichen Einsatz der Erzieherinnen ab – und war ansonsten Elternsache.

Gesellschaftlicher Wandel spürbar

Heute sind Kitas nicht mehr nur Spiel- sondern auch Lernorte. Einrichtungen für die frühe Bildung. Der gesellschaftliche Wandel hat sich in kaum einer anderen öffentlichen Einrichtung so bemerkbar gemacht wie dort. Die Inklusion behinderter Menschen und die Aufnahme von Geflüchteten sind nur zwei Beispiele.

Dass die Berufstätigkeit beider Elternteile möglich ist, liegt an dem verbesserten Betreuungsangebot. Wem sind im eigenen Arbeitsumfeld Väter in Teilzeit noch fremd? In den Kitas trifft man sie. Der Vereinbarkeit von Familie und Beruf tragen Kindertagesstätten mit längeren Öffnungszeiten und mit Plätzen für Zweijährige Rechnung. Dass Rheinland-Pfalz nun die durchgehende Betreuung über sieben Stunden festschreibt, schließt die Lücken.

Rechtsanspruch war ein echter Meilenstein

Ein echter Meilenstein war der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz – auch für die Zweijährigen. 2008 legte Rheinland-Pfalz vor, der Bund folgte 2013. Der Rechtsanspruch war bedeutsamer als die Beitragsfreiheit.

Ohne die Angebote der Kitas würde die Wirtschaft nicht mehr so gut funktionieren. Die Personalstreiks im Jahr 2015 haben gezeigt: Längst sind die Kindertagesstätten systemrelevant. Deshalb ist es folgerichtig, dass sich das Land, aber auch der Bund um die Förderung der Einrichtungen kümmern, die originär in der Verantwortung der Kommunen stehen. Die Bundesregierung hat einen Kabinettsbeschluss gefasst, die Förderung über das Jahr 2022 hinaus zu gewähren. Das ist eine gute Absicht, aber einklagbar ist sie nicht. Es sollte ein Gesetz folgen.

Fachkräfte gut bezahlen

Denn es fehlt noch Geld im System, weil es an Fachkräften mangelt. Wie sagte Bundesfamilienministerin Giffey? „Qualifizierte Fachkräfte sind die Lebensbedingungen für alles, was wir hier machen. Wenn Menschen wissen, wovon sie ihre Brötchen bezahlen sollen, dann erlernen sie auch den Beruf der Erziehung.“ Das Geld spielt die eine Rolle, Arbeitsbedingungen eine andere. Die Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher haben sich gewandelt: Zweijährige brauchen eine andere Art der Zuwendung als größere Kinder, außerdem müssen sie gewickelt werden. Die älteren Kinder sollen gezielter auf die Schule vorbereitet werden. Erzieherinnen und Erzieher müssen die Kinder genau beobachten. Das alles braucht Zeit und deshalb Personal. Jedes Jahr geben sie Eltern eine Rückmeldung über den Stand der Entwicklung. Die Elternarbeit ist viel wichtiger geworden, weil Eltern und Kita eine Erziehungsgemeinschaft bilden, wenn alles gut läuft.

Im Koalitionsvertrag der Mainzer Ampelregierung von 2016 steht die frühkindliche Bildung an erster Stelle. Gemessen daran , hat der Landtag mit dem „Kita-Zukunftsgesetz“ keinen großen Wurf erzielt. Wenn der Bund sein Finanzierungsversprechen hält, kann das Land nachlegen – auch wenn dazwischen eine Landtagswahl liegt.

Ohne die Angebote der Kitas würde die Wirtschaft nicht mehr so gut funktionieren.

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