Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Masern-Impfpflicht muss nicht sein

Die erste Masernimpfung haben noch die allermeisten Kinder.
Die erste Masernimpfung haben noch die allermeisten Kinder. Foto: dpa

Es gibt berechtigte Zweifel an der Impfpflicht: Denn es gibt auch einen milderen Weg im Kampf gegen die Masern.

Nur notorische Impfgegner und Verschwörungstheoretiker bestreiten, dass die Impfung gegen Masern sinnvoll ist. Wissenschaft und Medizin betonen hingegen immer wieder, wie wichtig der Kampf gegen die Infektionskrankheit ist, wie groß die von den Masern ausgelösten gesundheitlichen Schäden sein können. Es geht hier nicht um eine Privatsache. Wer sich impft, also nicht Überträger der Krankheit werden kann, schützt auch andere, die (wie beispielsweise Säuglinge) aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

Doch muss es deshalb eine Impfpflicht sein? Manche Fachleute fürchten, dass dadurch erst der Widerstand gegen das Impfen angefacht würde, dass Kinder auf sogenannten Masern-Partys absichtlich angesteckt würden.

Meistens werden Impfungen nur vergessen

Es gäbe einen anderen Weg, zu dem immerhin Ansätze in dem neuen Gesetz stehen: Der öffentliche Gesundheitsdienst müsste regelmäßig in die Kindergärten und Schulen gehen und dort Reihenimpfungen anbieten. Das wäre natürlich ein freiwilliges Angebot, es würde aber wahrscheinlich schon ausreichen, um die angestrebte Impfrate von 95 Prozent zu erreichen. Laut Robert-Koch-Institut wird nur bei der zweiten Masern-Impfung diese Marke verfehlt. Die Impfung dürfte daher in den meisten Fällen schlicht vergessen worden sein. Denn die erste Impfung haben mehr als 97 Prozent der Schulanfänger erhalten. Das zeigt: Die Impfgegner mögen zwar sehr laut sein, aber sie sind eine verdammt kleine Minderheit.

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