Politik Kommentar: Konsequentes Kanada

Die Wucht, mit der Saudi-Arabien auf die kanadische Kritik reagiert,
überrascht. Dass die USA das nicht schert, verwundert gar nicht.
Es mag nicht besonders geschickt von Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland gewesen sein, für ihre Kritik an Saudi-Arabien den Internetdienst Twitter zu nutzen, anstatt stillere Diplomatie anzuwenden, für die Kanada in der Vergangenheit bekannt war. Aber in ihrem Einsatz für Menschen- und Frauenrechte ist die kanadische Politikerin konsequent. Dass Riad mit dieser Wucht zurückschlägt, hatte sie wohl nicht erwartet. Aber Kanada eignet sich hervorragend für ein Exempel, steht es doch für alles, was Saudi-Arabien nicht ist: demokratisch, emanzipiert. Für beide Seiten werden sich die Folgen der Krise aber in überschaubaren Grenzen halten. Dem starken Mann in Riad, Kronprinz Mohammed bin Salman, dürfte es darum gehen, gegenüber den Traditionalisten und Hardlinern im eigenen Land zu zeigen, dass er trotz seines Reformkurses ein stolzer Saudi ist, der dem Westen eben nicht nachläuft. Dass die USA, Kanadas Nachbar, zur harten Linie des saudischen Herrscherhauses gegenüber Menschenrechtsaktivisten mehr oder weniger schweigen, kommt nicht überraschend. Der saudische Kronprinz und der Trump-Clan, inklusive Schwiegersohn Jared Kushner, pflegen beste Beziehungen. Nicht von ungefähr galt Präsident Donald Trumps erste Auslandsreise als US-Staatschef der saudischen Monarchie. Im Kreise von Despoten und Autokraten fühlt sich Trump ohnehin wohler als mit Politikern wie Angela Merkel, Emmanuel Macron und Justin Trudeau.