Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Iran will Frauen in Fußballstadien lassen

Nur Männer: Fans des iranischen Fußballclubs Esteghlal.
Nur Männer: Fans des iranischen Fußballclubs Esteghlal. Foto: REUTERS

Der Selbstmord einer Iranerin, der wegen eines unerlaubten Stadionsbesuch Haft drohte, setzt Teheran unter Druck. Nun soll das Stadionverbot für Frauen fallen.

Sahar Khodayari wollte nur ein Spiel ihres Lieblingsvereins sehen. Dafür musste sich die 29-jährige Iranerin als Mann verkleiden: Als einziges Land der Welt verbietet Iran Frauen den Besuch von Fußballstadien – angeblich, um sie vor dem Anblick halbbekleideter Männer auf dem Rasen zu schützen.

Als Khodayari sich im März in ein Stadion in Teheran schlich, weil dort ihr Club Esteghlal gegen eine Mannschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten antrat, war sie keinesfalls die erste Iranerin, die auf diese Weise zu einem Spiel wollte. Viele Frauen ziehen Männerkleider an, um ein Spiel zu sehen. Laut Menschenrechtsorganisationen sitzen derzeit mehrere Iranerinnen im Gefängnis, weil sie in Stadien entdeckt wurden.

Tarnung fliegt auf

Auch bei Khodayari funktionierte der Trick nicht. Zwar kleidete sie sich ganz in Blau, der Vereinsfarbe von Esteghlal, doch die Sicherheitsleute im Stadion erkannten sie als Frau und ließen sie festnehmen. Die Justiz bereitete eine Anklage gegen sie vor. Der Vorwurf lautete auf „sündhafte Tat“, weil Khodayari in der Öffentlichkeit ohne Kopftuch angetroffen wurde, wie Amnesty International berichtet.

Die junge Frau musste deshalb Anfang September vor einem Gericht in Teheran erscheinen. Dort erfuhr sie, dass sie bei einer Verurteilung bis zu sechs Monaten ins Gefängnis müsse. Nach der Anhörung übergoss sich Khodayari vor dem Gerichtsgebäude mit Benzin und zündete sich an. Sie starb eine Woche später im Krankenhaus.

Die „üble Sprache“ von Fußballfans

Das Schicksal des „blauen Mädchens“, wie Khodayari seit ihrem Tod genannt wird, löste in Iran und international Empörung aus. Die iranische Führung brachte zunächst nicht mehr zustande als die Ankündigung einer Untersuchung und Ausflüchte. Die „üble Sprache“ von Fußballfans im Stadion sei nun einmal nichts für Frauen, wurde ein Mitarbeiter von Präsident Hassan Ruhani zitiert.

Nur einmal im vergangenen Jahr durften Frauen ein Spiel in Teheran sehen, doch das blieb eine Ausnahme: Weil Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbandes Fifa, unter den Zuschauern war, wollten die iranischen Behörden offenbar eine Liberalisierung vortäuschen. Nach Infantinos Abreise wurde das Stadionverbot wieder durchgesetzt.

Kritik an Weltfußballverband

Nach Khodayaris Tod nahm der Druck auf Teheran jedoch zu – auch weil die Fifa ihrerseits in die Kritik geriet. Acht Briefe habe sie an Fifa-Chef Infantino geschrieben, ohne dass etwas geschehen sei, sagte die Frauenrechtsaktivistin Maryam Shojaei, eine Schwester von Mannschaftskapitän Shojaei, dem US-Sender CNN. Nun soll zum WM-Qualifikationsspiel der Iraner am 10. Oktober das Verbot fallen, doch für Khodayari kommt die Reform zu spät.

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