Politik Kommentar: Große Sprengkraft

Die Briten sind völlig ohne Konzept in den Brexit gestolpert. Die
gravierendsten Folgen wird der EU-Austritt für Irland haben.
Eine Entscheidung aus dem Bauch, ohne Plan und Ziel: Dass der Brexit zuallererst den Briten schadet, wird immer klarer. Tiefgreifend sind die Konsequenzen vor allem für die irische Insel, der die Teilung droht. Aus einem diffusen Gefühl heraus, dass die EU für all das verantwortlich ist, was im Land schiefgeht, haben am 23. Juni 2016 viele Briten für den Austritt aus der Gemeinschaft votiert. Weder Bürger noch Politiker hatten eine auch nur annähernd realistische Vorstellung davon, was dies bedeuten würde. Weil auch niemand so recht glaubte, dass der Brexit eine Mehrheit finden würde. Zudem haben die Konservativen in Downing Street es in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht geschafft, den immer näher rückenden Austritt planvoll zu gestalten. Premierministerin Theresa May, vor ihrem Amtsantritt noch Brexit-Gegnerin, hat konzeptionell wenig mehr zu bieten, als alle EU-Vorschläge als zu schlecht für das Königreich abzulehnen. Dabei geben sich Chefunterhändler Michel Barnier und die EU-Kommission wirklich alle Mühe. Die katastrophalen Auswirkungen des Austritts auf Irland, dem eine Grenze mitten durchs Land droht, hat vor dem Votum offenbar niemand einkalkuliert. Unter dem europäischen Dach ist die verhasste Grenze unsichtbar geworden, die Konflikte sind verschwunden. Doch das kann sich schnell ändern. Der Friedensprozess auf der Insel, der durch die EU-Einbindung erst möglich wurde, ist leider nicht unumkehrbar.