Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Die Weltmacht USA in Abstiegsgefahr

Der Times Square im Herzen von New York City ist wie ausgestorben: Die Coronavirus-Krise trifft die USA immer härter.
Der Times Square im Herzen von New York City ist wie ausgestorben: Die Coronavirus-Krise trifft die USA immer härter.

Die Vereinigten Staaten drohen neuer Hauptschauplatz der Corona-Krise zu werden. Die Trump-Regierung hat zu spät und zögerlich reagiert. So beschleunigte sie einen Trend, den sie stoppen wollte: dass China die neue Supermacht wird.

 

China war schon im Wahlkampf 2016 ein Lieblingsthema Donald Trumps. Als er ins Weiße Haus einzog, ernannte er mit Peter Navarro einen Ökonomen zum Berater, dessen bekanntestes Buch „Tod durch China“ heißt. Darin geht es um die Handelsbeziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften. China nutze alle nur aus, diagnostizierte Navarro und empfahl drakonische Zölle. Trump eröffnete auch einen Wirtschaftskrieg gegen Peking. Das Wachstum nahm weltweit Schaden, denn China antwortete mit eigenen Sanktionen.

Eine vorläufige Einigung hat Ende 2019 etwas Schärfe aus dem Konflikt genommen. Nun aber schlittert die Weltwirtschaft in die Corona-Rezession. Die Länder der Welt schotten sich ab. Aber der Grund-Konflikt zwischen Peking und Washington bleibt bestehen. Es geht um nichts weniger als die globale Vorherrschaft – wirtschaftlich und damit am Ende auch politisch.

Wie persönlich Trump das nimmt, zeigt sich wieder mal an einer seiner Zuspitzungen: Er spricht vom „China-Virus“. China reagiert, indem es die Mär streut, das US-Militär habe das Virus in die Welt gesetzt. Auch wurden amerikanische Journalisten des Landes verwiesen, nachdem Amerika die Anzahl chinesischer Medienvertreter einschränkte. Zwei Weltmächte im Clinch – in einer Zeit, in der sie kooperieren müssten!

 

Welche Macht kommt besser mit der Krise klar?

Dass China Ursprungsort der Pandemie war, ist unbestreitbar. Studien über die Verbreitung von Covid-19 zeigen, wie seit Dezember Reisen innerhalb Chinas und von China in die Welt alles starteten und außer Kontrolle geraten ließen. Hätte Peking nicht mehrere Wochen lang die Krise in Wuhan vertuscht, wäre die Ausbreitung zumindest verlangsamt worden. Aber das nützt nun alles nichts mehr. Auch die USA und vor allem New York leiden unter Covid-19. Nun ist die Frage: Welche Supermacht kommt besser damit klar? Wer nimmt gar eine Führungsrolle ein im Kampf gegen das Virus?

Während China Hilfsmittel wie Beatmungsgeräte nach Italien liefert und das weltweit – vor allem in Afrika – tut, handelt die Trump-Regierung wie sonst: eng national denkend. Das war 2014 bis 2016 bei der Ebolakrise noch anders, als die Obama-Regierung über die WHO und viele andere Kanäle eine absolute Führungsrolle spielte.

 

Trump lernt zu langsam und denkt nur national

Während Peking nun zunehmend Erfolgsmeldung über Erfolgsmeldung sendet, kommen aus Washington Bilder von Pressekonferenzen, in denen Experten die Hälfte ihrer Zeit damit verbringen, zu loben wie großartig doch der US-Präsident gehandelt habe. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Inzwischen scheint Trump zu lernen, dass diese Krise epochal ist, aber ob er der richtige Führer für sie sein wird, muss bezweifelt werden.

Die chinesischen Erfolgsmeldungen sind immer mit Vorsicht zu genießen. Aber dass die drakonische Quarantäne in Wuhan hemmend gewirkt hat, ist sicher. Die USA dagegen sind weiterhin nicht in der Lage, genug Amerikaner zu testen, um ein realistisches Bild vom Ausmaß der Pandemie zu bekommen. Die chinesische Staatspropaganda kritisiert das US-Regierungshandeln als Zeichen der „Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz“. Sie hat recht.

 

Billige Werkbank China – das war einmal

Mit dem Finger auf China zu zeigen, wie es Trump tut, mag unverändert bei seiner Wählerbasis ankommen. Und er hatte ja auch recht: Zu lange hatten US-Firmen die Volksrepublik als billige Werkbank benutzt, was US-Jobs kostete und Amerika abhängig vom Zulieferer China machte. Aber was nun passiert, könnte Chinas Aufstieg zur Supermacht Nummer eins unumkehrbar machen. Und Trump die Wiederwahl kosten.

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