Politik Kommentar: Aus den Augen, aus dem Sinn

Der Konflikt in der Ostukraine scheint kaum jemanden noch zu interessieren. Der Westen setzt mit dieser Haltung seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel.
Mit viel Enthusiasmus und Hoffnung sind die Ukrainer vor knapp fünf Jahren Richtung EU aufgebrochen. Sie wollten Teil des vereinigten Europa sein, die Bevormundung durch den „großen Bruder“ Russland abschütteln. Doch alles kam anders. Heute ist die Ukraine ein von Krisen geschütteltes Land. Die Krim ist de facto verloren, im Osten schwelt ein unerklärter Krieg vor sich hin. Ohne Aussicht auf ein Ende, was der neuerliche Bruch der Waffenruhe gestern wieder eindringlich illustrierte. Fast zwei Millionen Ukrainer sind aus dem umkämpften Osten geflüchtet und hausen immer noch in Provisorien. Mehr als 10.000 Menschen wurden getötet. Die Führungsriege in Kiew hat es nicht geschafft, ihre Versprechen einzulösen. Immer noch blüht die Korruption, und fast alle Reformen sind bereits in ihren Anfängen steckengeblieben. Auch das Assoziationsabkommen mit der EU, das vor einem Jahr in Kraft trat, konnte bisher an der desolaten wirtschaftlichen Situation nichts ändern. Die Menschen in der Ukraine fühlen sich zunehmend im Stich gelassen. Nicht nur von den Politikern in Kiew, sondern auch von der EU und anderen westlichen Staaten, allen voran den USA. Blutige Konflikte wie der in Syrien haben die Ukraine aus den Schlagzeilen verdrängt. Die US-Politik ist durch Präsident Donald Trump völlig unberechenbar geworden. Russlands starker Mann, Wladimir Putin, hat derweil auf der Krim und in der Ostukraine Fakten geschaffen. Er braucht jetzt nur noch abzuwarten.