Politik Kommentar: Auf Null

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Die Stichwahl um die Präsidentschaft in Tschechien könnte zum Referendum über den umstrittenen Miloš Zeman und Premier Andre Babiš werden.

„Jetzt beginnt alles wieder bei Null.“ Einigermaßen perplex war Amtsinhaber Miloš Zeman über das Ergebnis der ersten Runde der tschechischen Präsidentschaftswahl. Angesichts der farblosen Konkurrenz hatte der 73-Jährige mit einer klaren Mehrheit gerechnet. Aber 38,6 Prozent sind ein mageres Ergebnis. Zeman geht zwar als klarer Favorit in die zweite Runde, doch des Sieges kann er sich weniger gewiss sein als zuvor: Der Universitätsprofessor Jiri Drahoš, der auf 26,6 Prozent kam, ist ungeachtet seiner spröden Erscheinung alles andere als chancenlos. Denn der unabhängige, vom bürgerlich-liberalen Lager unterstützte Kandidat dürfte den Großteil der Stimmen der sieben ausgeschiedenen Bewerber einheimsen. So zeichnet sich bei der Stichwahl in zwei Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Die Kontrahenten könnten unterschiedlicher nicht sein: der polternde und pöbelnde Amtsinhaber Zeman, der das Land polarisiert, überdies schwer zuckerkrank; der 68-jährige Drahoš, ein uncharismatischer, weißhaariger Akademiker von bedächtigem Naturell und augenscheinlich guter Kondition. Das Ergebnis der Präsidentenwahl tangiert auch das politische Schicksal des neuen Premiers, des Populisten und Multimilliardärs Andre Babiš. Gewinnt Zeman, kann Babiš ohne Mehrheit und Vertrauen des Parlaments geschäftsführend weiterregieren, die Verfassung schreibt kein Limit vor. Gewinnt Drahoš, droht Babiš die Absetzung.

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