Politik Kindgerechte Gerichtsverfahren

Königin Silvia (links) besichtigte am Donnerstag das Kinderschutzzentrum in Leipzig.
Königin Silvia (links) besichtigte am Donnerstag das Kinderschutzzentrum in Leipzig.

2,5 Millionen Kinder sind EU-weit jedes Jahr als Opfer, Zeugen oder Partei an Gerichtsprozessen beteiligt. Dabei haben sie oft Angst, fühlen sich übergangen und schlecht informiert. In Deutschland soll sich das ändern. Seit zwei Tagen arbeitet am Leipziger Uniklinikum das erste „Childhood-Haus“.

Das Haus, ein Schutzzentrum für Kinder, orientiert sich an einem schwedischen Modell: Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalt oder Missbrauch wurden, sollen dort so betreut werden, dass Mediziner, Polizisten und Juristen kindgerecht unter einem Dach zusammenarbeiten können. Das Projekt wird gefördert von der World Childhood Foundation, die Königin Silvia von Schweden gegründet hat. Vor dem Deutschen Juristentag plädierte die Monarchin für eine Justiz, die Kinder respektiert und informiert. Im vergangenen Jahr hat die EU-Grundrechteagentur 400 Kinder in Europa nach ihren Erfahrungen mit der Justiz befragt und festgestellt, dass Kinder sich oft nicht ernst genommen und nicht genügend über die Entwicklungen in ihrem Fall informiert fühlten. Deutschland hat auf dem Papier einen hohen Standard bei der Behandlung von Kindern durch die Justiz. Beispielsweise wurden richterliche Videovernehmungen und eine psychosoziale Prozessbegleitung eingeführt. Allerdings hat die vom Bundestag beauftragte Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs erst Anfang des Monats große regionale Unterschiede festgestellt. An vielen Gerichten fänden Videovernehmungen gar nicht statt. Die Kommission empfiehlt, Schwerpunktstaatsanwaltschaften und Schwerpunktgerichte für Jugendschutzsachen zu schaffen und Richter und Staatsanwälte im Umgang mit Kindern besser auszubilden. Die Diskussion um eine kindgerechte Justiz hängt zusammen mit einer allgemeinen Debatte um Kinderrechte. So hat die große Koalition aus CDU, CSU und SPD beschlossen, ein Kindergrundrecht ins Grundgesetz zu schreiben. Leitartikel

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