Politik Kim Jong Un provoziert, aber in Maßen

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Ungeachtet der jüngsten innerkoreanischen Annäherung hat Nordkorea gestern, einen Tag vor Beginn der Olympischen Winterspiele, eine Militärparade abgehalten. Sie ist jedoch sehr viel kleiner ausgefallen als befürchtet.

Soldaten im Stechschritt? Hat es gegeben. Ebenso Dutzende Panzer, Lastwagen mit winkenden Soldaten und andere Militärfahrzeuge, die im Konvoi an jubelnden Menschen vorbeirollten. Und doch ging es bei der Militärparade gestern in Pjöngjang anders zu als bei vergangenen Paraden: Das Staatsfernsehen übertrug das Aufgebot nicht live. Noch etwas fiel auf: Interkontinentalraketen, bei früheren Paraden der Stolz der Armee, wurden nur am Rande gezeigt. Obwohl die USA die Führung in Pjöngjang explizit dazu aufgefordert hatten, einen Tag vor Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Südkorea keine Militärparade abzuhalten, hielt Machthaber Kim Jong Un seine Waffenschau ab. „Wir lassen uns von niemandem vorschreiben, wann wir unsere Paraden abhalten“, hieß es dazu in einem Leitartikel der Parteizeitung „Rodong Sinmun“. Anlass dieser Militärparade ist die Gründung von Nordkoreas Volksarmee vor 70 Jahren. Bevor Kim Jong Un 2013 an die Macht kam, wurde dieses Jubiläum gar nicht begangen. Im Dezember kündigte der Machthaber an, er wolle die Feierlichkeiten auf den 8. Februar vorziehen, also einen Tag vor Beginn der Winterspiele in Südkorea. Zu dem Zeitpunkt war allerdings noch nicht klar, dass Nordkorea an den Spielen teilnehmen würde. Zur Überraschung der Weltgemeinschaft hatte der nordkoreanische Machthaber in seiner Neujahrsrede erklärt, dass die Athleten seines Landes gerne zu den Spielen ins südkoreanische Pyeongchang kommen würden. Seitdem geht es Schlag auf Schlag, und heute wollen die Athleten beider Länder bei der Eröffnungsfeier sogar gemeinsam unter der Korea-Einheitsfahne ins Olympiastadion einziehen. Es sind denn auch widersprüchliche Signale, die Nordkorea derzeit aussendet. Auf der einen Seite ist das Kim-Regime um versöhnliche Gesten bemüht. Mit der Militärparade provoziert der Diktator jedoch auf der anderen Seite kräftig weiter. Um das Verwirrspiel komplett zu machen, ist seit Mittwoch zudem klar, dass Kim Yo Jong, die Schwester des Diktators, an der Eröffnungsfeier teilnehmen wird. Sie ist Vizedirektorin der mächtigen Propagandaabteilung der Arbeiterpartei und Teil der offiziellen nordkoreanischen Regierungsdelegation. Morgen wird sie sogar den südkoreanischen Staatspräsidenten Moon Jae In treffen. Mit den USA setzt das Kim-Regime hingegen weiter auf Konfrontation und verweigert Gespräche mit dem ebenfalls bei der Eröffnungsfeier anwesenden US-Vizepräsidenten Mike Pence. Möglicher Grund für die ablehnende Haltung: Im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm kündigte Pence am Mittwoch die „härtesten und aggressivsten Sanktionen“ seines Landes gegen Pjöngjang an. Die USA würden ihren „Druck so lange weiter verschärfen, bis Nordkorea konkrete Schritte hin zu einer vollständigen, nachweisbaren und unumkehrbaren Denuklearisierung“ einleite. Pence machte keinen Hehl daraus, dass er von der jüngsten Annäherung der beiden Koreas nicht viel hält. Robert Kelly, Nordkorea-Experte an der Pusan Universität, vermutet denn auch, dass hinter Kims Verwirrspiel mitnichten eine Strategie steckt. Die Militärparade hatte er schon vor einiger Zeit geplant – als Gegenveranstaltung zur Olympischen Eröffnungsfeier in Südkorea. Gestern habe er dann zumindest noch versucht, allzu aggressive Signale zu vermeiden. Deswegen erwähnte das nordkoreanische Staatsfernsehen die Parade erst, nachdem sie zu Ende war.

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