Politik
Kerzen-Aktion: Corona-Tote aus der Anonymität holen
Täglich wird sie vermeldet – die Anzahl der Menschen, die an oder in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts waren es am Montag in Deutschland insgesamt 34.574 Tote, davon in Rheinland-Pfalz 1476. Zahlen, die sich lesen wie die Pegelstände des Rheins.
Zahlen – hinter denen sich aber Menschen verbergen. Menschen mit einer Lebensgeschichte, Menschen, um die Angehörige trauern. Die Verstorbenen sind Großeltern, Eltern und Kinder, es sind Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen. Doch während über eine Verlängerung des Lockdowns und über Versäumnisse bei den Impfaktionen debattiert wird, werden die Toten in einer Statistik abgebildet – eine gesichtslose Masse.
Gedenken in aller Stille
Um diese Toten aus der Anonymität zu holen, haben die Künstlerin Veronika Radulovic und der Autor Christian Y. Schmidt in Berlin eine Initiative ins Leben gerufen. Um dem Vergessen entgegenzuwirken und an die Dringlichkeit der Corona-Schutzmaßnahmen zu erinnern, laden sie dazu ein, für die Toten Grablichter aufzustellen – in aller Stille. Begonnen hat die Aktion in Berlin am Nikolaustag an einem Platz in Prenzlauer Berg.
Aktion hat Kreise gezogen
Diejenigen, die die Corona-Toten sichtbar machen wollen, verzichten auf lautstarke Reden. Ganz bewusst wollen sie sich vom Gehabe der Corona-Leugner in Deutschland abheben, die meist durch Lautstärke und Ignorieren der Vorsichtsmaßnahmen auffallen. Die Initiatoren der Aktion legen Wert darauf, dass es sich beim Abstellen der Grablichter um keine politische Kundgebung, keine Versammlung oder Demonstration handelt. Die Aktion, die Toten sichtbar zu machen, hat inzwischen Kreise gezogen. Kleine Kreise, aber immerhin.
Betroffenheit Raum geben
Unter dem Hashtag CoronaToteSichtbarMachen findet sich eine Liste, in welchen Städten sonntags Kerzen entzündet werden: Hamburg, Essen, Stuttgart, Bielefeld, Bad Kreuznach, Pfaffenhofen und Landau in der Pfalz. Dort stellt ein Bürger sonntags um 16 Uhr ein kleines Schild mit der Aufschrift „Wir gedenken der Opfer der Pandemie“ und Grablichter am Eingang zum ehemaligen Gartenschaugelände auf. Er lädt jeden dazu ein, der seiner Betroffenheit Raum geben will, eine Kerze dazu zu stellen. Damit sollen die Corona-Opfer ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Denn sie sind mehr als eine abstrakte Zahl in einer Statistik.