Meinung
Kein Impfzwang durch die Hintertür!
Seit Beginn der Pandemie haben wir auf Antworten gehofft: Wann wird es einen Impfstoff geben? Wann kann er an die Bevölkerung verteilt werden? Und wer wird zuerst geimpft? Seit Sonntag haben wir endlich Gewissheit. Aber mit dem ersten Piks drängt sich eine neue Frage auf: Ist es sinnvoll, dass Geimpfte Sonderrechte bekommen?
Die australische Fluggesellschaft Qantas hat bereits angekündigt, künftig nur noch geimpfte Passagiere an Bord ihrer internationalen Flüge zu lassen. Es gibt Stimmen, die ähnliche Zugangsbeschränkungen für Geschäfte, Restaurants und Kinos fordern. Der Humangenetiker und Mitglied des Deutschen Ethikrats, Wolfram Henn, hat Impfverweigerer sogar aufgefordert, schriftlich auf eine Intensivbehandlung zu verzichten, was schon rein rechtlich Unsinn ist, weil es einer unterlassenen Hilfeleistung gleichkäme.
Vertrauen kann man nicht verordnen
Aber all diese bizarren Gedankenspiele treiben einen Keil in die Gesellschaft. Abgesehen davon, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht jeder impfen lassen kann, gibt es nun mal Menschen, die Angst davor haben – sei es aufgrund eigener Erfahrungen mit früheren Impfschäden oder der Turbo-Bereitstellung der Corona-Impfstoffe, die keine Auskunft über mögliche Langzeitfolgen zulässt.
All diesen Leuten, in Deutschland machen sie immerhin rund ein Drittel der Bevölkerung aus, fehlt das Vertrauen in den Impfstoff. Aber Vertrauen kann man nicht verordnen. Was wir brauchen, ist Information und Transparenz – und keine sozialen oder moralischen Zwänge. Denn die kämen einer Impfpflicht durch die Hintertür gleich.