Porträtiert
Kasachstans neuer Führer heißt Tokajew
Die Ex-Sowjetrepublik Kasachstan hat einen neuen Staatschef. Nach dem Rücktritt von Dauerherrscher Nursultan Nasarbajew regiert künftig sein engster Vertrauter, Übergangspräsident Kassim-Jomart Tokajew.
Tokajew wurde am Sonntag nach offiziellen Angaben mit 71 Prozent der Stimmen gewählt. Proteste am Rande des Urnengangs wurden von der Polizei im Keim erstickt.
Sein schärfster Kritiker nennt ihn ein „Möbelstück“, das höchstens einmal knarrt, wenn es verschoben wird. Der so gescholtene Kassim-Jomart Tokajew hat es damit immerhin an die Staatsspitze Kasachstans geschafft – er ist erst der zweite Präsident des Landes seit der Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik 1991. Zuvor war der 66-jährige Karrierediplomat schon Ministerpräsident, Außenminister und Senatschef. Glaubt man seinen Gegnern, ist er auch im höchsten Amt nur Platzhalter.
Denn sein Vorgänger, der fast drei Jahrzehnte herrschende Nursultan Nasarbajew, will nach Angaben des ins Exil geflohenen Ex-Ministers Muchtar Abljasow eines Tages seine Tochter an der Spitze des zentralasiatischen Landes sehen. Sicherheitshalber löste die 56-jährige Dariga Nasarbajewa Tokajew schon mal als Senatspräsidentin ab – sie würde damit automatisch Übergangspräsidentin, sollte sich der Staatschef zurückziehen.
Nasarbajew will seine Tochter an der Macht
Nasarbajew hatte im März überraschend seinen Rücktritt als Präsident verkündet – Beobachter gehen aber davon aus, dass Tokajew nur eine Marionette ist und der 78-jährige Nasarbajew auch weiterhin das Sagen in dem ölreichen Land hat. Er bleibt nicht nur Chef der Regierungspartei Nur Otan, sondern sitzt auch auf Lebenszeit dem einflussreichen Sicherheitsrat vor. „Tokajew ist genau die Person, der wir zutrauen können, Kasachstan zu führen“, sagte Nasarbajew bei seinem Rückzug. „Er ist ehrlich, verantwortungsvoll und verlässlich.“ Der 66-jährige, von höchster Stelle so gelobte Tokajew hat bereits angekündigt, als Präsident die Politik seines Vorgängers fortzusetzen. Eine seiner ersten Handlungen als Interimspräsident war eine Reverenz an seinen Förderer: Er ließ die Hauptstadt des Landes von Astana nach dem Vornamen Nasarbajews in Nur-Sultan umbenennen.