Politik Kampf um Ölterminals

Tripolis. Die Kämpfe rivalisierender Gruppen in Libyen verstärken sich. Derzeit wird heftig um wichtige Ölhäfen gerungen. Möglicherweise mischt Russland künftig stärker in dem Konflikt mit.
Im Osten Libyens haben Soldaten der selbst ernannten libyschen Nationalarmee des Generals Chalifa Haftar eine Offensive auf zwei Ölterminals gestartet. Ein Sprecher von Ostlibyens starkem Mann Haftar sagte, Streitkräfte am Boden, zur See und in der Luft griffen gemeinsam die Ölterminals Ras Lanuf und Al-Sidra an. General Haftar ist in dem gespaltenen Bürgerkriegsland mit der ostlibyschen Regierung verbündet. Diese kämpft gegen die international anerkannte Führung des Landes in Tripolis unter Ministerpräsident Fajis Al-Sarradsch um die Macht. Haftars Truppen ging es gestern um die Vertreibung der islamistischen Verteidigungsbrigaden von Bengasi, die Anfang März den Ölterminal Ras Lanuf eingenommen hatten, der auch von der BASF-Tochter Wintershall genutzt wird. Der international anerkannte Ministerpräsident Al-Sarradsch hatte seinerseits vor etwa einer Woche angekündigt, die Öl-Einrichtungen des Landes mit Unterstützung von verbündeten Truppen selbst einnehmen zu wollen. Ob Haftar gestern erfolgreich war, ist unklar. Zwar meldete der dem General nahestehende Fernsehsender Libya al-Hadath die Eroberung Ras Lanufs und die Flucht der „terroristischen Banden“. Die Gegenseite erklärte hingegen, dass der Angriff abgewehrt worden sei. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich. Zugleich gab es in Russland Meldungen, das von Haftar beeinflusste Parlament im ostlibyschen Tobruk habe um russische Militärausbilder gebeten. „Wir haben die russische Regierung gebeten, uns bei der Ausbildung von Soldaten, bei der Reparatur von Militärtechnik durch russische Spezialisten zu helfen“, sagte der Parlamentsvorsitzende Aguila Saleh der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge. Das Verteidigungsministerium in Moskau dementierte vorausgegangene Meldungen, Soldaten russischer Spezialtruppen seien in Ägypten für einen Einsatz im benachbarten Libyen stationiert worden. Das Parlament und die Gegenregierung werden von General Haftar stark beeinflusst. Der als exzentrisch geltende Militär hat einen guten Draht nach Russland. Moskau sei an einer Stabilisierung Libyens interessiert, wolle sich aber nicht in innere Angelegenheiten einmischen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Doch das bedeutet nicht, dass Russland nicht mit den Seiten in Kontakt ist, mit denen es das für nötig hält“, ergänzte er. |afp/dpa