Politik Justizskandal: Gustl Mollath erhält hohe Entschädigung

War zu Unrecht in der Psychiatrie: Gustl Mollath.
War zu Unrecht in der Psychiatrie: Gustl Mollath. Foto: dpa

Gustl Mollath verbrachte mehr als sieben Jahre zu Unrecht in der Psychiatrie. Vom Freistaat Bayern erhält der 63-Jährige deswegen nun 600.000 Euro Entschädigung.

Der Fall Mollath ist einer der größten Justizskandale der jüngeren bayerischen Geschichte. Er begann 2006. In einem erbittert geführten Scheidungskrieg mit seiner Frau wurde der Nürnberger zwangseingewiesen. Ein Grund: Mollath beschuldigte seine Frau, für die Hypovereinsbank Schwarzgeldgeschäfte betrieben zu haben.

Ein Richter bescheinigte ihm Wahnvorstellungen. Erst nach Jahren wurde bekannt, dass die Bank in einer internen Prüfung festgestellt hatte, dass Mollaths Äußerungen stimmten. Doch veröffentlicht hatte die Bank diese Prüfergebnisse nie. Erst nach Medienberichten darüber wurde das Verfahren gegen Mollath aus dem Jahr 2006 wieder aufgenommen. Mollath kam 2013 frei.

Das Zehnfache der üblichen Entschädigung

2747 Tage verbrachte Mollath in der Psychiatrie. Zusammen mit bereits früher gezahlten 70.000 Euro entschädigt ihn der Freistaat nun mit insgesamt 670.000 Euro – 244 Euro pro Tag Zwangsunterbringung. Das ist knapp das Zehnfache der gesetzlich vorgesehenen Entschädigung bei Fehlurteilen von 25 Euro pro Tag. Als im März der Zivilprozess in der Sache begann, beharrte Mollath auf einer Entschädigung von rund 1,8 Millionen Euro. Er begründete dies mit traumatischen Folgen der Zeit in der Psychiatrie.

Es gab allerdings stets Zweifel, ob Mollath als reines Justizopfer anzusehen ist. Denn im Rosenkrieg mit seiner Frau agierte er brutal, wie 2014 vom Landgericht Regensburg festgestellt wurde. Er habe sie geschlagen, getreten und gewürgt, stellte das Gericht damals fest. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde Mollath nur freigesprochen, weil er zur Tatzeit womöglich psychisch krank und deshalb schuldunfähig war.

Wirre Theorie mit Mord an Kennedy

Wer Mollath bei Auftritten im Gericht, aber auch im bayerischen Landtag erlebte, wurde Zeuge eines Verschwörungstheoretikers. Einer, der seine Schwarzgeldaussagen in eine wirre Theorie einbettete, in der auch der Mord an John F. Kennedy vorkam. Trotzdem ist inzwischen klar gestellt: Mollath hätte nie so lange zwangsweise untergebracht werden dürfen.

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