Antiviren-Pionier John McAfee tot in Zelle gefunden

John McAfee bezeichnete sich selbst als „exzentrischen Millionär“.
John McAfee bezeichnete sich selbst als »exzentrischen Millionär«.

Der von den USA wegen Steuerhinterziehung gesuchte Software-Entwickler John McAfee ist tot in seiner Zelle in einer spanischen Haftanstalt aufgefunden worden.

McAfee habe „offenbar Suizid“ begangen, sagte eine Sprecherin der Justiz in der Region Katalonien am Mittwoch. Kurz zuvor hatte Spaniens Oberster Gerichtshof die Auslieferung des bekannten Unternehmensgründers an die USA angeordnet, wo ihm ein Prozess wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung drohte.

Der 75-Jährige war im Oktober am Flughafen von Barcelona festgenommen worden, kurz bevor er in eine Maschine nach Istanbul steigen wollte. Laut Anklageschrift der US-Behörden reichte McAfee keine Steuererklärungen für die Jahre 2014 bis 2018 ein, obwohl er beträchtliche Einnahmen aus mehreren Bereichen gehabt habe. Er soll laut dem Auslieferungsantrag der USA in diesen vier Jahren umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro verdient haben. Ihm drohten im Falle einer Verurteilung bis zu 30 Jahre Haft. Die Auslieferungsentscheidung des spanischen Gerichts hätte noch angefochten werden können. Zudem hätte das spanische Kabinett noch zustimmen müssen.

Ehefrau erhebt Vorwürfe

McAfees Frau Janice beklagte seit längerer Zeit, dass es ihm im Gefängnis „nicht gut“ gehe und er nur mit Verzögerung „angemessene medizinische Versorgung“ erhalten habe. „Die US-Behörden sind entschlossen, John im Gefängnis sterben zu lassen“, erklärte sie am Sonntag auf Twitter.

McAfee begann seine Karriere bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa und arbeitete in mehreren Informatikfirmen, bevor er 1987 die nach ihm benannte Firma für Antiviren-Software gründete. Nachdem McAfees Firma in den 1990er Jahren an die Börse ging, stieg er aus dem Unternehmen aus, das heute eines der größten Anbieter von Antiviren-Software ist. McAfees Vermögen wurde zeitweise auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt.

McAfee bezeichnete sich einmal selbst als „exzentrischen Millionär“. 2012 geriet er in die Schlagzeilen, als sein Nachbar in Belize auf mysteriöse Weise ermordet wurde. Auf der Flucht vor der Polizei floh er durch den Dschungel. 2019 wurde er von einem Gericht in Florida zu einer Zahlung von umgerechnet rund 21 Millionen Euro an die Familie des Toten verurteilt. Der Fall wurde jedoch nie richtig aufgeklärt.

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