Meinung
Joe Biden ist noch nicht fertig
Es war kurz vor 22 Uhr abends und also jene Zeit, zu der „Opa Biden“ nach Darstellung seiner politischen Gegner eigentlich längst in den Federn liegt, als der US-amerikanische Präsident so richtig aufdrehte. Angriffslustig zeigt er sich bei seiner traditionellen Rede zur Lage der Nation. Die Republikaner tappten tatsächlich in die Falle und präsentierten sich zur besten Sendezeit als pöbelnder Chaotenhaufen.
Für die verbleibenden zwei Jahre dieser Amtsperiode setzte Biden einen klaren Schwerpunkt. Seine Rede drehte sich fast ausschließlich um Wirtschaft, Infrastruktur, Sozialpolitik und Steuern. „Zu viele Menschen sind zurückgelassen worden oder wurden behandelt, als seien sie unsichtbar“, sagte der 80-Jährige und betonte: „Ich habe es verstanden.“
Ukraine-Krieg kaum erwähnt
Daraus folgt: Bidens Fokus liegt auf Innen-, nicht auch Weltpolitik. Und auch nicht auf Kiew. Den die amerikanische Öffentlichkeit mäßig interessierende Ukraine-Krieg erwähnte er nur mit wenigen Worten. Umso ausführlicher pries er seine protektionistische Industriepolitik, die Jobs in den USA schaffen soll.
Je näher der Wahltermin rückt, desto entschiedener wird sich Biden darauf konzentrieren, die Demokratie gegen einen möglichen Herausforderer Donald Trump an der Heimatfront zu verteidigen. Darauf sollten sich die Europäer besser einstellen. Die Zeiten des freundlichen Onkels in Amerika sind endgültig vorbei.