Politik Jemen: Großoffensive bedroht Hafenstadt
Mit einem Angriff auf die Hafenstadt Hodeidah am Roten Meer hat die bisher größte Schlacht im seit drei Jahren anhaltenden Krieg in Jemen begonnen. Hilfsorganisationen fürchten um den Nachschub von Hilfsgütern und um ihr Personal.
Jemenitische Regierungstruppen rücken derzeit mit Unterstützung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf Hodeidah vor, das von den mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen kontrolliert wird. Über den Hafen der Stadt kommen 70 bis 80 Prozent der internationalen Hilfsgüter ins Land. Gleichzeitig dient er aber auch für Waffenlieferungen aus Iran an die Huthis. Gebühren, Steuern und Zölle sind zudem eine wichtige Geldquelle für die schiitische Miliz, die in den vergangenen Jahren große Landesteile und auch die Hauptstadt Sanaa erobert hatte. Die von Saudi-Arabien und den VAE gestützte jemenitische Exilregierung teilte jetzt mit, der Angriff auf Hodeidah solle „die Hand Irans abhacken“. In Jemen geht es aber nicht nur um regionalpolitische Rivalitäten. Machtkämpfe zwischen diversen Gruppen und Clans sowie Aktivitäten islamistischer Extremisten lassen ein kompliziertes Geflecht aus vielen Einzelinteressen entstehen, das die Lage zusätzlich destabilisiert. Auch wechseln einige Akteure die Fronten, wenn es ihnen ratsam erscheint. In der Schlacht um Hodeidah, von der eine halbe Million Menschen direkt betroffen sind, kamen am ersten Tag laut Medienberichten vier VAE-Soldaten und 22 Huthi-Rebellen ums Leben. Die Huthis drohen, nun die Schifffahrt auf dem Roten Meer und damit den wichtigen Handelsweg durch den Suez-Kanal zu stören. 20 Millionen Menschen in Jemen sind auf internationale Hilfe angewiesen, weshalb eine Unterbrechung des Hafenbetriebs in Hodeidah verheerend wäre. Mehr als acht Millionen Jemeniten leiden schon jetzt Hunger. In 15 von 20 Provinzen gab es 2017 ungezählte Fälle von Diphtherie. Die UN evakuieren ihre Mitarbeiter aus Hodeidah. Wegen der gefährlichen Lage in Jemen musste allein das Internationale Rote Kreuz zuletzt insgesamt 71 Mitarbeiter aus Jemen abziehen. Kommentar Seite 2