100.000 Corona-Tote RHEINPFALZ Plus Artikel Italiens trauriger Rekord

Vorbereitungsarbeiten zur Eröffnung eines Impfzentrums in Rom.
Vorbereitungsarbeiten zur Eröffnung eines Impfzentrums in Rom.

Erstmals wurde in einem EU-Mitgliedstaat die Schallmauer von 100.000 Covid-Toten durchbrochen. In Italien registrierten die Behörden seit Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr am Montag insgesamt 100.103 Corona-Opfer. Das 60-Millionen-Einwohner-Land war von dem Virus Sars-CoV-2 im Frühjahr vergangenen Jahres früher und heftiger als andere Länder in Europa heimgesucht worden.

Am Abend des 21. Februars 2020 war im Spital von Schiavonia in Norditalien Adriano Trevisan gestorben: Der 77-jährige Rentner aus Vo’ Euganeo in der Region Venetien war der erste Patient Italiens, der offiziell an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben ist. Die Betonung auf „offiziell“ ist wichtig. In Italien waren wohl schon vorher Dutzende, wenn nicht Hunderte Menschen an Covid-19 gestorben. Das Virus hatte sich unbemerkt ausgebreitet.

Nach dem ersten Todesfall wurden Vo’ Euganeo und zahlreiche andere Gemeinden vollständig abgeriegelt, die Geschäfte und Schulen geschlossen, die Bewohner mit einem Ausgehverbot belegt. Man hoffte, mit diesen Maßnahmen die Epidemie auf die wenigen damals bekannten Infektionsherde beschränken zu können. Das sollte sich schnell als Illusion erweisen. Kurze Zeit später befand sich ganz Italien in einem harten Lockdown.

Rund 72.000 Virus-Tote in Deutschland

Mit mehr als 100.000 Todesopfern liegt Italien nach Angaben der Johns Hopkins Universität in den USA nun weltweit auf Platz sechs hinter Großbritannien. Die meisten Toten haben demnach die USA zu beklagen. Deutschland verzeichnete bisher rund 72.000 Virus-Tote.

Und noch immer sterben in Italien täglich rund 300 Menschen an Covid 19. Sorgen bereiten den Behörden die Mutationen, insbesondere die englische Variante des Virus, die in Italien inzwischen für über 60 Prozent der täglichen Neuinfektionen verantwortlich ist. In einigen Städten und Regionen Norditaliens stoßen die Intensivstationen bereits wieder an ihre Belastungsgrenzen.

Regierung erwägt deutliche Verschärfungen

Dabei steht Italien vor dem gleichen Problem wie andere EU-Mitgliedstaaten: Es mangelt auch hier am Impfstoff. Zwar liegt Italien mit 5,5 Millionen Personen, die mindestens die erste Impfdosis erhalten haben, EU-weit im vorderen Mittelfeld. Zwei Drittel aller Impfdosen wurden jedoch an „strategische“ Berufsgruppen – vor allem medizinisches Personal und Lehrkräfte – verimpft, während in der Altersgruppe der über 80-Jährigen erst jeder Vierte immunisiert worden ist. Dies ist laut Epidemiologen ein Grund dafür, warum die Sterberate in Italien bis heute zu einer der höchsten der Welt zählt.

Nun hat Ministerpräsident Mario Draghi erneut einen dringlichen Gesundheitsgipfel einberufen. Laut Medienberichten erwägt die Regierung die Verlängerung der bereits seit November 2020 geltenden nächtlichen Ausgangssperre, die Einführung von strengen Lockdowns an den Wochenenden oder gar einen neuen, national geltenden dreiwöchigen Total-Lockdown, während dem die Impfkampagne vorangetrieben werden soll.

x