Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Ist Rheinland-Pfalz für das Coronavirus gerüstet?

In Italien wurden vom Coronavirus betroffene Dörfer vom Militär abgeriegelt. In Rheinland-Pfalz ist dieses Vorgehen unwahrschein
In Italien wurden vom Coronavirus betroffene Dörfer vom Militär abgeriegelt. In Rheinland-Pfalz ist dieses Vorgehen unwahrscheinlich.

Die Landesregierung sieht das Land für das Auftreten von Covid-19-Fällen gut vorbereitet. Ein Pandemieplan aus dem Jahr 2009 liefert dafür die Grundlagen. Vom Abriegeln ganzer Dörfer hält Ministerin Bätzing-Lichtenthäler (SPD) nichts. Wenn eine infizierte Person im Fasnachtstrubel war, reicht die erste Stufe für die Eindämmung allerdings nicht mehr aus.

Während am Mittwoch ein Luftwaffensoldat im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz auf die Ergebnisse seiner Corona-Tests wartet, sichert die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu, dass das Land gut vorbereitet ist. „Die Bevölkerung hat nichts zu befürchten“, so Dreyer. Nachdem am Vortag Covid-19-Fälle in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg nachgewiesen wurden, wäre sie nicht überrascht, wenn bald Fälle in Rheinland-Pfalz aufträten. Am Abend dann kommt die Bestätigung: Der Luftwaffensoldat ist mit dem Coronavirus infiziert – der erste Fall im Bundesland.

Staatskanzlei, Innen- und Gesundheitsministerium haben einen Arbeitsstab eingerichtet. Wie vorzugehen ist, steht in dem Pandemieplan, der bereits 2009 entwickelt und für jedes Bundesland angepasst wurde. Außerdem gibt es den „Rahmen Alarm und Einsatzplan Seuchen“, in den die Rettungsdienste eingebunden seien. Zentrale Stellen für die Umsetzung der Pläne sind die Gesundheitsämter in den Landkreisen und Städten.

Erst eindämmen

Wenn das Virus nachgewiesen ist, setzt die „Containment-Strategie“ ein, gehe es um Eindämmung, sagt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler gegenüber der RHEINPFALZ. Dabei werde nach Personen gesucht, mit denen die infizierte Person Kontakt hatte. Ziel sei es, jenen Menschen zu finden, der das Virus in die Kommune oder in die Region getragen habe. Sämtliche Krankenhäuser im Land könnten Personen, die am Coronavirus erkrankt sind, aufnehmen, sagt die Ministerin.

Dafür gebe es Alarm- und Einsatzpläne. Die Anzahl von Einzelzimmern reicht nach ihren Angaben aus, um Betroffene zu isolieren. Je nach Ausmaß eines möglichen Corona-Ausbruchs könnten zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, indem planbare Operationen verschoben würden. Spezielle Isolierstationen für Infektionskrankheiten haben den Angaben nach die Universitätsmedizin Mainz und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier.

Mainz will keine Dörfer abriegeln

In Bayern habe die Strategie vorbildlich funktioniert, sagt Bätzing-Lichtenthäler. In Nordrhein-Westfalen sei die Situation schwieriger, weil eine infizierte Frau Erzieherin sei und noch in einer Kindertagesstätte gearbeitet habe, als bereits die ersten Krankheitssymptome aufgetreten seien. Dort sei es sehr schwierig, diese Strategie anzuwenden.

Einrichtungen wie Schulen oder Kitas zu schließen, müsse in jedem Einzelfall geprüft werden. Ganze Dörfer abzuriegeln, wie es in Italien geschieht, ist laut Bätzing-Lichtenthäler keine Lösung. Nach den Worten von Burkhard Müller, Geschäftsführer des Landkreistages Rheinland-Pfalz, sieht der Infektionsschutzplan vor, bestimmte Örtlichkeiten in den Dörfern und Städten als Quarantänestationen auszuweisen. Die Kommunen sieht er gut gerüstet.

Ministerin warnt vor Panik

Und wie ist es, wenn eine infizierte Person am vergangenen Wochenende mitten im Karneval-Trubel gefeiert hat und sich das Virus munter verbreiten konnte? Wenn es nicht mehr möglich sei, die Infizierten zu isolieren, gilt nach den Worten der Ministerin Stufe 2 des Pandemie-Plans, die „Damage-Limitation“: Schadensbegrenzung. Dann gelte es, besonders gefährdete Personen, etwa Menschen mit Vorerkrankungen, zu schützen.

Bätzing-Lichtenthäler warnt jedoch vor einer Panik. In der Grippesaison 2017/2018 seien in Deutschland 20.000 Menschen an Influenza gestorben. Das habe nicht die Schlagzeilen beherrscht und niemand sei deshalb mit einem Mundschutz herumgelaufen. Die Ministerin räumt allerdings ein, dass die Fälle nur bedingt vergleichbar sind. Vor der Influenza können sich Menschen mit einer Impfung schützen, außerdem gibt es Medikamente, die zumindest in einem frühen Stadium die Folgen mildern können.

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