Politik Interview: Was geschieht mit traumatisierten Kindern?

Flüchtlingskinder, die nicht Deutsch sprechen und von denen viele traumatisiert sind – damit war und ist auch die Ludwigshafener Bliesschule mit ihren 273 Grundschülern konfrontiert. Mit der Rektorin Silke Lambrecht sprachen wir über die Herausforderungen, die bei der Integration zu bewältigen waren und noch sind. Vor einem Jahr wurden in Ihrer Schule wöchentlich neue Flüchtlingskinder angemeldet. Hat sich die Situation mittlerweile entschärft? In gewisser Weise ja. Zum einen sind weniger Flüchtlingskinder gekommen, zum anderen spüren wir, dass vermehrt Familien aus sicheren Herkunftsländern wie Serbien oder Kroatien rückgeführt werden. Letzteres ist auch für uns Lehrkräfte nicht einfach, Kinder, um die wir uns zwei, drei Jahre mit Liebe gekümmert und die wir mit Kleidung und anderen Dingen versorgt haben, einfach gehen zu lassen. Und das im Wissen, dass sie ins Elend zurückkehren. Im Rückblick – was ist bei der schulischen Integration gut gelaufen? Relativ schnell gab es von der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) zusätzliche Stunden für Deutsch-Intensivkurse. Für die 37 Flüchtlingskinder plus unsere Kinder nichtdeutscher Muttersprache erhielten wir 50 Wochenstunden. Davon richteten wir drei Intensivkurse à zehn Wochenstunden ein, die anderen verteilten wir auf vier- und zweistündige Kurse. Damit wurden die Neuankommenden nicht einfach in Klassen gesetzt, sondern lernten eine Willkommenskultur kennen und erhielten mit den Sprachlehrern eigene Ansprechpartner. Unser Vorteil ist, dass wir ausreichend Lehrkräfte für Sprachförderung haben. Nur wissen wir noch nicht, wie es im kommenden Schuljahr weitergeht. Und was ist weniger gut gelaufen? Anfangs war es schon ein ziemliches Chaos, weil niemand wusste, wie viele Kinder kommen und wo sie einen Schulplatz erhalten. Aber für uns kann ich sagen, dass alle Behörden von ADD bis Stadt sehr schnell die Situation klärten. Also alles in Ordnung? Zu schaffen macht uns die Kommunikation mit den Eltern der Flüchtlingskinder. Die ist oft sehr schwierig. Durch ein Projekt haben wir nun einen Pool an Studenten der Hochschule Ludwigshafen, die auf Anfrage bei Gesprächen dolmetschen. Auch manche Eltern schlüpfen ab und an in diese Funktion. Nur im Einzelfall greifen wir mal auf ein Kind als Dolmetscher zurück, bevor gar nichts geht. Anfangs sorgten sie sich um die vielen traumatisierten Kinder. Konnten Sie ihnen helfen? Wir können keine Therapien in die Wege leiten, aber durch die Sprachkurse können sich die Lehrkräfte intensiv um jeden Schüler kümmern. Und durch das Projekt LeLaLu der Bürgerstiftung Ludwigshafen und der Hochschule Ludwigshafen erhalten die Kinder Paten, die mit ihnen lesen, etwas unternehmen, sie fördern. Das hilft. Denn für traumatisierte Kinder ist es wichtig, Geborgenheit zu spüren. Da kann auch die Ganztagsschule als geschützter Ort mithelfen. | Interview: Anne-Susann von Ehr