Brandenburg RHEINPFALZ Plus Artikel In Cottbus hofft die AfD auf den ersten OB-Posten

SPD-Kandidat Tobias Schick (SPD) lag im ersten Wahlgang mit 31,8 Prozent vorn.
SPD-Kandidat Tobias Schick (SPD) lag im ersten Wahlgang mit 31,8 Prozent vorn.

Die AfD hofft, dass erstmals ihr Kandidat eine Oberbürgermeisterwahl gewinnt – und zwar in Cottbus. Die Stichwahl findet am 9. Oktober statt.

Für die Energiekrise macht die AfD nicht Russland oder Putin verantwortlich, sondern die Ampel-Regierung in Berlin. Sie fordert ein Ende der Sanktionen gegen Russland und eine Inbetriebnahme der nur teilweise beschädigten Pipeline Nord Stream 2. Die politische Bewirtschaftung der Angst zeigt zunehmend Wirkung. Das schlägt sich auch in aktuellen Umfragen nieder. Schien die AfD vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und nach den deutlichen Verlusten bei der Bundestagswahl auf dem Weg ins Abseits, so erstarkt sie jetzt im Osten laut einer Insa-Umfrage deutlich. Mit 27 Prozent wäre die Partei die Nummer 1 in den östlichen Bundesländern. Selbst im traditionell SPD-dominierten Brandenburg zog die AfD jetzt erstmals mit der SPD gleich.

Vor diesem Hintergrund findet am Sonntag die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in Cottbus statt. Im ersten Wahlgang hatte der SPD-Kandidat Tobias Schick mit 31,8 Prozent die Nase vorn, gefolgt vom AfD-Kandidaten Lars Schieske mit 26,4 Prozent. Alle demokratischen Parteien rufen jetzt zur Wahl des Sozialdemokraten auf, damit die AfD nicht den ersten Oberbürgermeisterposten in einer deutschen Großstadt bekommt.

Wahlbeteiligung wird wichtige Rolle spielen

Ob diese Unterstützung für den 41-jährigen Geschäftsführer des Stadtsportbundes Cottbus ausreicht, wird auch von der Wahlbeteiligung abhängen. Fällt sie niedrig aus, wird davon wohl die AfD profitieren, die bereits die größte Fraktion im Stadtparlament stellt, obwohl etliche Funktionäre amtlich erwiesene Rechtsextremisten sind und der Landesverband ein Verdachtsfall für den Verfassungsschutz ist.

Der 45-jährige Schieske, hauptberuflich Feuerwehrmann, hat im September 2019 bei der Landtagswahl in seinem Cottbuser Wahlkreis mit 27,3 Prozent das Direktmandat gewonnen. In einem Wahlkampfbrief stellt er SPD-Mann Schick als „Kartell-Kandidaten“ dar, die Unterstützung der anderen Parteien wird von AfD-Leuten als „Wiederkehr der SED-Einheitslisten“ diffamiert.

Cottbus in tiefgreifender Umbruchphase

Cottbus steckt mitten im Umbruch und steht jetzt vor einer richtungsweisenden Wahl. Die Tagebaue um die Lausitz-Stadt werden wie auch die Braunkohle-Kraftwerke bald Geschichte sein. Die tiefgreifende Umbruchphase in der zweitgrößten brandenburgischen Stadt betrifft viele Menschen, zumal inzwischen jeder Fünfte hier als armutsgefährdet gilt. Zwar wird der Strukturwandel mit umfangreichen Milliarden-Hilfen abgefedert: Die Bahn hat bereits mit dem Bau des modernsten ICE-Instandhaltungswerks Europas begonnen, in dem bis 2024 rund 1200 hochwertige Industriearbeitsplätze entstehen. Im größten Krankenhaus des Landes soll eine medizinische Fakultät neu gegründet werden – mit 1500 neuen Stellen. Daneben werden Behörden nach Cottbus verlegt oder eröffnen Außenstellen – eine „Riesenchance“ für die Region, sagt der SPD-Kandidat. Aber das ist eben Zukunftsmusik. Momentan wächst die Unzufriedenheit und die Verunsicherung wegen Preissteigerungen und Energiekrise. Darauf setzt die AfD.

Lausitz: Was nach dem Kohleabbau kommt

 AfD-Kandidat Lars Schieske kam im ersten Wahlgang auf 26,4 Prozent.
AfD-Kandidat Lars Schieske kam im ersten Wahlgang auf 26,4 Prozent.
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