Interview
Immunologin: Nuvaxovid schützt vor Omikron
Novavax soll die stockende Impfkampagne wiederbeleben, indem er auch bisherige Impfskeptiker zur Nadel bringt. Teilen Sie diese Hoffnung?
Cornelia Betsch von der Universität Erfurt hat dies im Rahmen ihrer Cosmo-Studie abgefragt. Und sie zeigt leider, dass wir nicht zu viel erwarten sollten. Demnach werden weniger als die Hälfte der Menschen, die auf die mRNA-Vakzine verzichtet und stattdessen auf den Impfstoff von Novavax gewartet haben, sich auch wirklich damit impfen lassen.
Also eine vergebliche Liebesmüh?
Nein. Ich bin trotzdem froh, dass es diesen Impfstoff gibt. Jede zusätzliche Impfung zählt.
Worin unterscheidet sich denn das neue Vakzin von den mRNA-Impfstoffen, das es attraktiv für bisherige Impfverweigerer machen könnte?
Ganz einfach: Da ist keine Nukleinsäure drin. Denn es handelt sich um ein sauberes Protein mit einem Wirkverstärker, damit die Immunabwehr das Protein nicht einfach abräumt und den Impfeffekt aushebelt – und dann geht es auch schon los. Das ist jetzt wieder ein ganz klassischer Impfstoff auf Proteinbasis, so ähnlich wie die Grippeimpfungen.
Sie sprachen von Wirkverstärkern, also den sogenannten Adjuvantien. Können die dann nicht auch wieder zu Problemen, etwa zu Unverträglichkeiten führen?
Ja, aber das kommt ausgesprochen selten vor. Und das hat man ja bei anderen Impfstoffen auch. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, dass die Leute sich für ihren Urlaub im Ausland – wenn gefordert – gleich mehrere Impfungen geben lassen, die allesamt Adjuvantien enthalten, dann aber die Covid-Impfung wegen der Adjuvantien ablehnen. Der bei Nuvaxovid eingesetzte Wirkverstärker Matrix M ist zwar neu. Doch durch die lange Erfahrung mit Adjuvantien bei proteinbasierten Impfstoffen kann er als sicher eingestuft werden.
Schützt Nuvaxovid denn auch vor Omikron? Denn wie die anderen Vakzine wurde er ja eigentlich für Corona-Varianten entwickelt, die es gar nicht mehr gibt…
Ja, er schützt. Genau wie die anderen auch. Denn bei einer Impfung werden drei Abwehrlinien aktiviert: Antikörper im Mund-Rachen-Raum, Antikörper und T-Zellen in Blut und Lymphknoten. Gegen Omikron funktioniert nur die erste Abwehrlinie nicht gut, und die reicht wegen der Omikron-Veränderungen ohnehin nicht aus, um eine Ansteckung zu vermeiden. Die übrigen Linien bieten weiterhin Schutz, insbesondere vor schweren Verläufen.
Trotzdem wird Nuvaxovid wohl nicht den großen Durchbruch bei den Erstimpfungen bringen. Taugt er zum Boostern?
Er ist zwar noch nicht als Booster zugelassen, doch neue Studien zeigen, dass man ihn auch dazu einsetzen könnte. Möglicherweise wird Novavax demnächst einen entsprechenden Antrag stellen. Außerdem kann das Präparat auch hierzulande schon eingesetzt werden, wenn der Patient es ausdrücklich wünscht. Oder auch, wenn es eine der sehr seltenen Kontraindikationen gegen die mRNA-Impfstoffe gibt oder diese keine erwünschte Impfantwort erbracht haben.
Kann man Nuvaxovid mit den anderen Impfstoffen kombinieren?
Ja, da spricht immunologisch prinzipiell nichts dagegen.
Es gibt Menschen, die wurden dreimal mit den Impfstoffen von Moderna oder Biontech geimpft. Und welche, die heterolog, also mit drei verschiedenen Vakzinen behandelt wurden. Wer von ihnen ist der Gewinner?
Wenn ich fragen darf: Wie wurden Sie geimpft?
Erst Astra, dann Biontech, und obendrauf Moderna.
Glückwunsch. Das ist bei mir genauso. Und wir haben nach bisherigem Wissensstand die effektivste aller möglichen Kombinationen.
Warum? Weil unser Immunsystem die Vielfalt liebt?
Na ja, es geht schon bei allen Impfungen um das spezifische Spike-Protein, mit dem das Virus in die Wirtszelle eindringt. Die einzelnen Vakzine enthalten jedoch – wie wir bereits thematisiert haben – unterschiedliche Adjuvantien. Sie unterscheiden sich also im Hinblick auf den Weg, wie sie die Immunabwehr für das Spike-Protein sensibilisieren. Doch ihr Zielobjekt ist in allen Fällen gleich: nämlich das Spike-Protein. Deswegen bringt das heterologe Impfschema zwar einen messbaren Effektivitätsvorsprung, der klinisch aber nicht sonderlich von Bedeutung ist. Wer dreimal mit Moderna geimpft wurde, ist schon so gut geschützt wie jemand, der drei unterschiedliche Vakzinevarianten bekommen hat. Den schwächsten Schutz hat man übrigens mit dreimal Astrazeneca. Aber das kommt ja hierzulande in der Regel ohnehin nicht vor.
Novavax geht am Montag an den Start