Ukraine-Krieg RHEINPFALZ Plus Artikel Ikonischer Stinkefinger gegen russisches Schiff ist keine Marke

Die ukrainische Post gab Briefmarken heraus mit dem Motiv des Grenzbeamten, der der Moskva den Stinkefinger zegt.
Die ukrainische Post gab Briefmarken heraus mit dem Motiv des Grenzbeamten, der der Moskva den Stinkefinger zegt.

Die Ukraine kann den Slogan „Russian Warship, go f**k yourself“ in der EU nicht schützen lassen.

Als Russland im Februar 2022 die Ukraine überfiel, drangen Kriegsschiffe auf Befehl des Kreml in ukrainische Gewässer ein. Eine Gruppe ukrainischer Zöllner auf der Schlangeninsel, ganz im Süden etwa in der Höhe der Grenze zu Rumänien im Schwarzen Meer gelegen, sah sich plötzlich einem bis an die Zähne bewaffneten russischen Kriegsschiff namens Moskva (Moskau) gegenüber. Dessen Besatzung forderte die Ukrainer auf, sich zu ergeben. Und obwohl die Handvoll Grenzsoldaten auf der winzigen Insel nicht die Spur einer Chance hatten, funkte Zöllner Roman Hrybov, recht unflätig und auf Russisch: „Fick dich, russisches Kriegsschiff!“

Symbol des ukrainischen Widerstands

Dieser Ausspruch wurde schnell zum Symbol des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion und genauso ikonisch wie die Fotos der Babuschka, die sich russischen Truppen entgegenstellt, oder des Bauern, der mit seinem Traktor einen Panzer abschleppt. Im russischen Original und ins Englische übersetzt wurde der Ausspruch samt des Stinkefinger zeigenden Zöllners in der Folgezeit auf Briefmarken gedruckt, er ziert T-Shirts, Taschen und Plakate.

Die Familie Hrybows, der nach dem Beschuss der Insel durch die Moskva als gefallen galt, meldete den Ausspruch im März 2022 beim EU-Markenamt EUIPO in russischer und englischer Sprache für verschiedene Waren wie Taschen und Kleidung sowie Dienstleistungen unter anderem im Verlagswesen, in Bildung und Erziehung als Bildmarke an. Während des Verfahrens trat dann der ukrainische Grenzschutz an deren Stelle. Nachdem die EU-Behörde den Markenschutz mit der Begründung abgelehnt hatte, dass es sich um einen politischen Slogan handele und nicht um etwas, das sich auf das jeweilige Produkt beziehe, zog der Grenzschutz vor Gericht.

Politische Botschaft, keine Marke

Die Richter in Luxemburg entschieden nun genauso wie zuvor das EU-Markenamt. Der Satz sei verwendet worden, um Unterstützung für die Ukraine zu gewinnen und so schnell zum Symbol für den ukrainischen Abwehrkampf gegen den russischen Angriff geworden. „Russian Warship, go f**k yourself“ sei also in einem politischen Kontext verwendet worden. Ein Zeichen könne aber die Funktion einer Marke nicht erfüllen, wenn der durchschnittliche Verbraucher darin keinen Hinweis auf die Herkunft der Ware oder der Dienstleistung, sondern nur eine politische Botschaft wahrnehme, so das Gericht.

Nach dem verlorenen Prozess bleibt dem Grenzschutz nur noch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof – mit geringer Erfolgsaussicht. Trotzdem haben die Ukrainer am Ende gewonnen. Denn auch wenn befürchtet wurde, dass alle Grenzer bei dem auf den Stinkefinger folgenden Beschuss durch die Moskva ums Leben gekommen seien, stellte sich heraus, dass einer überlebt hatte: Roman Hrybov.

Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft und ist inzwischen wieder bei seiner Familie. Das Kriegsschiff Moskva dagegen gibt es nicht mehr. Am 13. April 2022, genau einen Tag nachdem die Ukraine die Stinkefinger-Briefmarke als Erinnerung an den Mut der Grenzbeamten herausgegeben hatte, wurde die Moskva von einer ukrainischen Rakete getroffen. Sie geriet in Brand und sank einen Tag später.

Auf diesem vom ukrainischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellten Foto bringen ukrainische Soldaten die Staatsflagge
Auf diesem vom ukrainischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellten Foto bringen ukrainische Soldaten die Staatsflagge auf der Schlangeninsel an. Sie trägt die Aufschrift: »Merke dir, russisches Kriegsschiff, die Insel gehört zur Ukraine!!!«
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