Politik Heldin des Aberwitzes

Nadja Sawtschenko, die Heldin des Donbasskriegs, scheint in Ungnade gefallen zu sein.
Nadja Sawtschenko, die Heldin des Donbasskriegs, scheint in Ungnade gefallen zu sein.

Gegen Nadja Sawtschenko, die frühere ukrainische Kampfpilotin und heutige Abgeordnete, soll wegen mutmaßlicher Anschlagspläne ermittelt werden. Laut Generalstaatsanwalt Juri Luzenko gibt es „unwiderlegbare Beweise“ dafür, dass die Oppositionspolitikerin eine „Terrorattacke“ auf das Parlament habe verüben wollen. Worauf sich seine Erkenntnisse stützen, sagte Luzenko nicht. Heute sollen die Abgeordneten der Rada entscheiden, ob sie Sawtschenko, die der Fraktion von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko angehört, die parlamentarische Immunität entziehen und ihrer Festnahme zustimmen. Die Heldin des Donbasskriegs scheint in Ungnade gefallen zu sein. Die 36-jährige Ex-Soldatin war 2014 in Russland festgenommen und zu 22 Jahren Haft verurteilt worden, weil sie in der umkämpften Ostukraine für den Tod von zwei russischen Journalisten mitverantwortlich gewesen sein soll. Im Mai 2016 wurde sie im Austausch gegen zwei Russen freigelassen. In der Rada wartete bei ihrer Heimkehr ein Abgeordnetensitz auf sie. Nun will die Kiewer Staatsanwaltschaft sie im Gefängnis sehen. Dabei klingen die Vorwürfe aberwitzig. Auf der einen Seite soll Sawtschenko geplant haben, Präsident Petro Poroschenko in der Rada ermorden zu lassen; auf der anderen Seite ist die Rede davon, dass sie dem Präsidenten ein Killerkommando in sein Haus habe schicken wollen. Was nun? Und was steckt dahinter? Poroschenko und sein Regime gelten als korrupt und reformresistent. Der Politologe Wadim Karasew glaubt, der unpopuläre Präsident wolle nach dem nach Polen abgeschobenen Michael Saakaschwili, georgischer Ex-Staatschef und ehemaliger Mitstreiter Poroschenkos, mit Sawtschenko eine mögliche Anführerin drohender Proteste ausschalten. In gewisser Weise trägt Sawtschenko selbst zu den Verschwörungstheorien bei. Sie schwadroniert von einer Gruppe „Objekt A“, die sie liquidieren wolle. Um diese vorzuführen, habe man Pläne ausgearbeitet, „wo und wie man die Machtelite vernichten könne. Das Objekt A hat alles aufgenommen“. Fast klingt das, als hätte Sawtschenko selbst den Spitzeln des Regimes die Beweise gegen sie geliefert.

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