Politik
Half die Ukraine beim Angriff auf Wagner-Söldner in Afrika?
Das Bild scheint eine klare Sprache zu sprechen. Männer, deren Gesichter von Turbanen verhüllt sind, posieren in einer Wüstenlandschaft mit den Flaggen der Ukraine und von Azawad, einer um Unabhängigkeit kämpfende Tuareg-Region in Mali. Das Bild wurde von der ukrainischen Zeitung „Kiew Post“ veröffentlicht. Es sei von den Tuareg-Rebellen nach dem „Sieg über Wagner“ aufgenommen worden, behauptete die Publikation.
Wohl noch nie während ihres mindestens siebenjährigen Afrika-Geschäfts verbuchte die russische Wagner-Gruppe so starke Verluste wie am Wochenende im Norden Malis. Dutzende Söldner wurden in einem Hinterhalt getötet, bestens dokumentiert von den Tuareg-Kämpfern, die ihre Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verbreiteten. Es sind buchstäblich vernichtende Fotos für Russland.
Seitdem tobt eine Schlacht um die Deutungshoheit. Am Montag teilte Andrii Yusov, Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes, über die Nachrichten-App Telegram mit, man habe die Rebellen mit „notwendigen Informationen versorgt, die eine erfolgreiche Militäroperation gegen russische Kriegsverbrecher ermöglichten“. Damit beansprucht die Ukraine erstmals eine Beteiligung an einem erfolgreichen Schlag gegen Wagner in Afrika.
Schon im Februar hatte die „Kiew Post“ ein Video verbreitet, das angeblich das Verhör eines gefangen genommenen russischen Wagner-Söldners durch eine Einheit des ukrainischen Militärgeheimdienstes im Sudan zeigte. Die Ukraine ließ das Video unkommentiert.
Ignorierte die russische Propaganda das angebliche Vernehmungsvideo im Sudan noch weitgehend, so forcieren nun auch die Russen das Narrativ einer ukrainischen Beteiligung am Kampf in Mali. Die Ukraine wird als Unterstützer des Westens, der verlorenen Einfluss in der Sahelzone wiedererlangen will, dargestellt. So behauptete das russische Kreml-Sprachrohr „RT“, man habe „Aufnahmen ukrainischer Söldner in Afrika“, die dort von westlichen Militärfirmen eingesetzt würden. Die Veröffentlichung aber blieb man schuldig, mit Verweis auf die Quelle: einen angeblich bei dem Tuareg-Angriff getöteten Blogger, der weitere Belege für die Ausbildung von Separatisten in der Ukraine gehabt habe.
Skepsis angesichts der angeblichen ukrainischen Beteiligung ist derweil durchaus berechtigt. Führende Tuareg-Gruppen wie die „Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad“ haben bislang keine Zusammenarbeit mit der Ukraine eingeräumt. Auch so mancher westliche Beobachter bezweifelt, dass die Ukraine die nötigen Kapazitäten in der Region hat. Zudem wurde der Sieg der Tuareg von einem kaum kalkulierbaren Sandsturm begünstigt, der die Ankunft von Verstärkung für die Wagner-Leute verzögerte.