Politik Händchenhalten statt Konfrontation

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Er werde sein Land „noch während der ersten Amtszeit“ von US-Präsident Donald Trump denuklearisieren. Das hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un südkoreanischen Regierungsvertretern erklärt. Das wäre also spätestens 2021. Südkoreas Staatschef Moon Jae In hofft, dass Kim diese Zusage beim heute beginnenden Korea-Spitzentreffen verbindlich wiederholt. Ein solcher Erfolg aber wird in Seoul bezweifelt. „Es ist schwierig, irgend einen optimistischen Ausblick zu geben“, dämpfte Im Jong Seok, Stabschef des Präsidenten, die Erwartungen. Vor allem, weil „keine Fortschritte bei den Arbeitsgesprächen zwischen den USA und Nordkorea erkennbar sind“, wie Moon am Vorabend des Gipfels von Pjöngjang selbst einräumt. „Es ist nicht so, dass es am Willen fehlt, es will bloß keiner den Anfang machen.“ Bei ihren zwei bisherigen Begegnungen hätten Moon und Kim die „Denuklearisierung“ nicht direkt angesprochen, weil US-Präsident Donald Trump dies zu seiner Chefsache erklärt habe. „Hier können wir Südkoreaner nicht die Führung übernehmen“, gab Moon als Marschroute aus. Als Staatsgast und Koreaner will der Chef des Blauen Hauses von Seoul beim Gipfel in Pjöngjang „vor allem die Gefahr und die Furcht vor einem Krieg beseitigen“, wie Moon erklärte. „Was ich erreichen will, ist Frieden.“ Es gibt aber nicht einmal eine verbindliche Agenda für das Treffen. Man weiß nur, Moon Jae In wird heute um 10 Uhr (Ortszeit) in der nordkoreanischen Hauptstadt landen, am Nachmittag soll das erste Gespräch mit Kim Jong Un stattfinden und am Abend ein festliches Staatsdiner folgen. Ansonsten liegt der Gipfel im Nebel. Offenbar will Pjöngjang allein Regie führen und gegebenenfalls seinen Gast und die Welt überraschen. Moon und Kim treffen sich bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. Zur Erinnerung: Beim April-Gipfel in Panmunjom lernten sich beide Führer erstmals persönlich kennen, beim zweiten Mal an selber Stelle wurde die historische Begegnung von Nordkoreas Machthaber mit US-Präsident Donald Trump vorbereitet. Jetzt sollen in Pjöngjang bis Donnerstag die Trümmer von fast 70 Jahren erbitterter Konfrontation entsorgt, die Zeichen auf nationale Zusammenhalt gestellt werden. Für Diktator Kim Jong Un ist Moon der erste wichtige Staatsgast seiner Amtszeit. Er wird dem Präsidenten Südkoreas ein glückliches, tanzendes und singendes Land vorführen – eben der Zukunft zugewandt. Dabei muss er die eher triste Gegenwart im selbst ernannten „Paradies der Werktätigen“ durch eine gigantische Show überspielen. Seit Tagen schon üben sich Kinder und Werktätige in feierlicher Stimmung, schwenken Fahnen, Blumen und Luftballons. Im Vorfeld dieses Gipfels organisiert das Regime auch Vorträge über die „neue Ära der Vereinigung“. Früher hießen solche Veranstaltungen „Lasst uns den Süden befreien“. Aber die Menschen in Nordkorea empfinden immer weniger Stolz und Freude an diesen organisierten Massenspielen, berichten Überläufer aus dem Norden in Seoul. Vielen sind die regelmäßigen Selbstdarstellungen des Regimes sogar zuwider, weil ganze Betriebe zum tagelangen Training der Feier-Show abkommandiert werden. Anschließend müssen sie die Zeit nacharbeiten, weil sie sonst die Planvorgaben nicht schaffen. Wenigstens reden jetzt die Militärs beider Koreas miteinander. Bei einem 17-stündigen Treffen der Offiziere ging es jüngst dem Vernehmen nach um die Vorbereitung eines „umfassenden Abkommens über militärische Kooperation“. Die Details sollen beim Gipfel bekannt gegeben werden. Moons oberster Sicherheitsberater Chung Eui Yong bleibt jedoch zurückhaltend. Zunächst wolle man am 38. Breitengrad „gegenseitiges militärisches Vertrauen“ herstellen. Zufällige Zwischenfälle und bewaffnete Geplänkel wie es sie in der Vergangenheit öfter gegeben hat, sollen durch „detaillierte Konsultationen“ ausgeschlossen werden. Die umstrittene Seegrenze im Westen der koreanischen Halbinsel soll in eine „Friedenszone“ umgewandelt werden. Vertrauen zu schaffen zwischen beiden „Bruderstaaten“, ist die Aufgabe des neuen Verbindungsbüros, das am vergangenen Freitag in der Grenzstadt Kaesong als eine Art „Ständige Vertretung“ eröffnet wurde. Bis zu 20 Beamte beider Seiten fördern dort permanent den „zivilen Austausch“, wie es heißt. Das Office liegt bezeichnenderweise im früheren gemeinsamen Industriepark, in dem nordkoreanische Werktätige für südkoreanische Firmen produzierten. Vielleicht kein gutes Omen: Aufgrund der zunehmenden Spannungen im Atomstreit wurde die Anlage 2016 geschlossen. Das neue Büro war von beiden Chefs beim April-Gipfel vereinbart worden. Aber auch hier liegen viele Steine im Weg. Nach Berichten südkoreanischer Medien wurde der ursprünglich für August geplante Eröffnungstermin angesichts der amerikanischen Besorgnis verschoben, die interkoreanischen Beziehungen könnten sich zu rasch entwickeln, ohne dass es wesentliche Fortschritte bei den Verhandlungen über das nordkoreanische Atom-und Raketenprogramm gegeben hätte. Wie kompliziert sich selbst einfache Dinge gestalten, das zeigt schon die Stromversorgung der neuen Einrichtung, für die eigentlich Südkorea zuständig sein sollte. Um die Sanktionen nicht zu unterlaufen, werden beide Seiten nun ihre Büroteile separat mit Elektrizität beliefern.

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