Politik Großrussische Träume auf der Datscha

Noch bevor Halbe Zijlstra voriges Jahr als Außenminister der Niederlande vereidigt wurde, lancierte sein Büro eine Story, die für positive Schlagzeilen sorgen sollte. Titel: Zijlstra traf Putin. Und das auch noch auf der Datscha des russischen Präsidenten Putin bei Moskau. Im fast privatem Ambiente also. 2006 sei das gewesen. Und Putin habe dabei seine Vorstellungen über Großrussland enthüllt – bestehend aus Russland, den drei baltischen Staaten, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan. Kasachstan sei „nice to have“ (schön, wenn man’s hat), soll Putin gesagt haben. So ließ sich Zijlstra immer wieder zitieren. Es sind brisante Aussagen, die der Außenminister dem russischen Präsidenten zuschrieb. Doch nun stellt sich heraus: Zijlstra hat Putin noch niemals getroffen. Auch 2006 nicht und schon gar nicht in der privaten Datscha. Das räumte der Minister in einem Interview mit der Zeitung „de Volkskrant“ ein, als die Redakteure ihn damit konfrontierten, sie könnten beweisen, dass er nicht in Putins Datscha war. Der Außenminister gibt daraufhin zu: „Ich war nie mit Putin zusammen in einem Raum in seiner Datscha.“ Er habe sich das Zitat über Großrussland „von einer dritten Person geliehen“. Diese Person sei in der Datscha gewesen, habe den Präsidenten über Großrussland sprechen gehört und ihm das erzählt. Wegen der geopolitischen Bedeutung von Putins Worten habe er sie öffentlich machen wollen, aber zugleich die Spur verwischen wollen, so Zijlstra: „Ich wollte nicht, dass die dritte Person die enthüllende Person wird. Ich wollte sie und das Unternehmen, das darin involviert ist, schützen.“ Die ominöse dritte Person ist möglicherweise Jeroen van der Veer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Öl- und Gaskonzerns Royal Dutch Shell. Das Unternehmen und van der Veer weisen das jedoch von sich. „Bei all meinen Besuchen bei Putin war Halbe Zijlstra nicht dabei“, sagt van der Veer. Da Zijlstra sich den Besuch bei Putin offensichtlich nur ausgedacht hat, um außenpolitische Erfahrung vorzugaukeln, wird nun auch die angebliche Äußerung Putins über Großrussland angezweifelt. Und die Sache wird noch heikler und peinlicher, weil Ministerpräsident Mark Rutte von der Lüge seit ein paar Wochen wusste, wie Zijlstra sagt. Der Regierungschef aber schweigt vorerst. Er weilt in Südkorea bei den Olympischen Winterspielen.