Kalender RHEINPFALZ Plus Artikel Gerhard Löwenthal: Der Kalte Krieger am Mikrofon

Eine gute Zigarre nach getaner Arbeit: So liebte es Gerhard Löwenthal.
Eine gute Zigarre nach getaner Arbeit: So liebte es Gerhard Löwenthal.

Er war der Anti-Zeitgeist des deutschen Journalismus. Von seinem Traum von der deutschen Einheit wollte Gerhard Löwenthal nicht lassen.

In einer Zeit, in der CDU-Politiker viele Journalisten verdächtigten, Büchsenspanner der Linken zu sein, war er die große Ausnahme: Gerhard Löwenthal, Moderator des legendären „ZDF-Magazins“, hielt die Fahne des Antikommunismus hoch. Sein Glaube an die deutsche Wiedervereinigung war auch in den Jahren der Entspannung nicht zu erschüttern. Er durfte sie noch erleben – heute vor 18 Jahren ist er gestorben.

Gerhard Löwenthal hatte da ein bewegtes Leben hinter sich. 1922 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren, war er mit seinem Vater zeitweise im KZ Sachsenhausen interniert und überlebte als einer von nur wenigen hundert Berliner Juden die Nazi-Terrorherrschaft. Die frühe Erfahrung mag dazu geführt haben, dass der Journalist Löwenthal Freiheit und Menschenwürde absolut nahm. Er verteidigte sie stets mit Leidenschaft, oft mit Sturheit. Die Früchte des Ausgleichs mundeten ihm bitter. Kompromiss und Dialog waren ihm ein Gräuel. Wo andere abwägten, blieb Löwenthal eindeutig.

Das begann 1946, als er über den kommunistischen Einfluss auf die Humboldt-Universität in Ost-Berlin so kritisch berichtete, dass ihm eine SED-Verwaltungsdirektorin während der Reportage das Mikrofonkabel durchschnitt. Löwenthal ging nach West-Berlin, arbeitete beim Rias und beim Sender Freies Berlin, wechselte 1963 zum ZDF, wo er ab 1968 das „ZDF-Magazin“ moderierte.

Spätestens dort erlangte er Ruhm als Kalter Krieger am Mikrofon. Er nannte die Studenten von 1968 „marxistische Wirrköpfe“ und die Ostpolitik von Willy Brandt „Wandel durch Anbiederung“. Festen Platz in seiner Sendung hatten die „Hilferufe von drüben“, mit denen Löwenthal am Beispiel konkreter Fälle Menschenrechtsverletzungen in der DDR dokumentierte. Bei einigen Ostdeutschen konnte er mit Hilfe des gleichnamigen, von ihm gegründeten Vereins den Freikauf in den Westen erwirken.

Gerhard Löwenthal war ein Eiferer und ließ die für einen Journalisten notwendige Distanz zum Geschehen regelmäßig vermissen. Doch der von seinen Kritikern angestellte Vergleich Löwenthals mit Karl-Eduard von Schnitzler („Sudel-Ede“), dem Moderator des „Schwarzen Kanals“ im DDR-Fernsehen, führt in die Irre. Der Journalistenkollege Ernst Elitz, ein profunder Kenner der deutschen Teilung, brachte es auf den Punkt: „Löwenthal war Humanist, Schnitzler die Sprechpuppe der Diktatur. Beide gegeneinander aufzurechnen, wäre ein Akt moralischer Blindheit.“

Die RHEINPFALZ feiert 2020 ihren 75. Geburtstag. In unserem Jubiläumskalender erinnern wir jeden Tag an ein besonderes Ereignis oder eine ungewöhnliche Geschichte aus den vergangenen 75 Jahren.

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