Meinung
Georgia-Wahl: Demütigung für Trump
Es sollte ein donnernder Auftakt zum angestrebten Machtwechsel in Washington in zwei Jahren werden. Doch einen Monat nach den amerikanischen Kongresswahlen hat sich die vermeintliche Revolte der Republikaner endgültig als gigantischer Rohrkrepierer entpuppt. Tatsächlich hat Joe Biden bei der traditionellen Denkzettelwahl als erster demokratischer Präsident seit 90 Jahren im Senat sämtliche bisherigen Mandate verteidigt und sogar noch einen Sitz hinzugewonnen.
So strahlt der Wahlsieg des Demokraten Raphael Warnock bei der Senats-Stichwahl in Georgia weit über die regionalen Grenzen hinaus: Denn für Donald Trump, den ungekrönten Boss der Republikaner, ist es ein Desaster, eine Demütigung.
Trump hat auch seine Gegner mobilisiert
So sehr ihn ein harter Kern von Anhängern als Sektenführer verehrt, so genervt sind partei-ungebundene und städtische Wähler von seinem permanenten egomanischen Drama. Die Chancen für eine Rückkehr von Trump ins Weiße Haus scheinen mit der Georgia-Wahl deutlich gesunken zu sein.
Das ist eine richtig gute Nachricht für die Welt – aber nicht unbedingt für die amerikanischen Demokraten. Der Kampf gegen den Möchtegern-Autokraten war nämlich für sie in Georgia ein wichtiges Mobilisierungsargument. Sollten sich die Republikaner von Trump abnabeln und mit einem anderen Kandidaten zur Präsidentschaftswahl antreten, würde die Partei von Joe Biden ihren besten Wahlhelfer verlieren.