Ukraine
Friedensvermittlungen: Ein zögerlicher UN-Generalsekretär
Mehr als zwei Monate nach Beginn der Invasion ergreift der Generalsekretär der UN, deren oberstes Ziel die Wahrung des Weltfriedens ist, nun die Initiative. Guterres wird auf seiner Mission mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zu Mittag speisen, und er wird zu Präsident Wladimir Putin vorgelassen.
Kann Guterres den Kriegsherrn Putin von einem Waffenstillstand oder sogar von einer politischen Lösung für den Ukraine-Konflikt überzeugen? Diplomaten bezweifeln das. Die Erfolgsaussichten werden als gering eingeschätzt, weil der frühere portugiesische Regierungschef dem russischen Herrscher kaum etwas anzubieten hat. „Guterres kommt mit leeren Händen, und er wird, so ist zu befürchten, mit leeren Händen gehen“, sagt ein Botschafter bei den UN in Genf, der anonym bleiben will.
Ausgetrickst, getäuscht und belogen
Als Minimalziel wird Guterres auf einer ungestörten Arbeit für Tausende humanitäre Helferinnen und Helfer in der Ukraine pochen. „Wir brauchen sicheren, ungehinderten Zugang zu allen Gebieten“, fordert er für seine Mitarbeiter, die täglich ihr Leben riskieren. Doch selbst wenn Putin Erleichterungen verspricht, kann Guterres sich nicht auf das Wort des Kremlchefs verlassen. Zu oft hat Putin seine Gesprächspartner ausgetrickst, getäuscht und belogen.
Ohnehin steht Guterres in Moskau nicht hoch im Kurs. Denn der Sozialist aus Lissabon und gläubige Katholik verurteilte die Putin-Invasion mit klaren Worten als „Verletzung der Charta der Vereinten Nationen“. Der Krieg habe „zu einem sinnlosen Verlust von Leben, massiven Verheerungen in Städten und der Zerstörung ziviler Infrastruktur“ geführt.
So eindeutig der UN-Generalsekretär die russischen Gräuel ansprach, so passiv verhielt er sich lange bei möglichen Friedensvermittlungen. Sein Nichtstun ging so weit, dass ehemalige UN-Funktionäre eine aktive Rolle anmahnten. Anderenfalls würden die Vereinten Nationen „mehr und mehr irrelevant“ und ihnen drohe das Schicksal des glücklosen Völkerbundes. Der Völkerbund löste sich nach dem Zweiten Weltkrieg, den er nicht verhindern konnte, selbst auf.